Penzing: Hauseinsturz nicht im Krisenszenario

Der U3-Tunnel darf wieder voll befahren werden, die Drosselung des Tempos der U-Bahn war eine reine Vorsichtsmaßnahme, die Risse betragen weniger als einen Millimeter.

(c) Clemens Fabry

Wien. „Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagt Michael Unger, Sprecher der Wiener Linien. Gemeint ist ein Tempolimit, das die U3 nach einem Hauseinsturz in der Kendlerstraße am Sonntag unter dem betroffenen Abschnitt einhalten musste und das gestern, Montag, wieder aufgehoben wurde. Nicht schneller als 25km/h durfte die U-Bahn zwischen den Stationen Hütteldorfer Straße und Kendlerstraße fahren – denn der U-Bahn-Tunnel führt nur wenige Meter unter dem Haus vorbei. Und in den Tunnelwänden waren Haarrisse aufgetaucht.

„Die Risse waren von der Größenordnung geringer als einen Millimeter“, sagt Unger. Sicherheitsrelevant seien sie nicht gewesen – die 40 Zentimeter Stahlbeton mit zusätzlichen 20 Zentimetern Spritzbeton der Tunnelwand seien dadurch nicht gefährdet. Auch seien derartige Risse nicht ungewöhnlich, wenn darüber Häuser gebaut oder andere Baustellen betrieben werden.

 

Mehr Auflagen nahe der U-Bahn

Dabei muss, wer über oder nahe einem U-Bahn-Tunnel baut, ohnehin verschärfte Auflagen in Kauf nehmen: Neben dem üblichen Baugenehmigungsverfahren muss der Bauwerber mit den Wiener Linien in Kontakt treten und mit diesen eine Vereinbarung darüber schließen, welche Maßnahmen er hinsichtlich Belastungen, Erschütterungen und anderen Faktoren auf die Tunnel zu treffen hat.

Die Wiener Linien gehen noch zusätzlich die Pläne von Neu- und Umbauten nahe ihren Tunneln mit eigenen Statikern durch, die sicherstellen sollen, dass es zu keinen Beeinträchtigungen in ihrem Verkehrsnetz kommt.

Das sei im gegenständlichen Fall in Penzing auch passiert, sagt Gerhard Cech, Leiter der Wiener Baupolizei: Die Vereinbarung mit dem Bauherrn, der neben dem eingestürzten Haus derzeit eine Baugrube offen hat, habe allerdings nur die Baustelle selbst miteinbezogen – dass ein Teil des Nachbarhauses einstürzen könnte, hatte niemand vorhergesehen – das war damit auch nicht Teil der Krisenszenarien der Wiener Linien. Die genaue Ursache für den Einsturz des Jahrhundertwende-Wohnhauses ist bisher ungeklärt.

Im Großen und Ganzen funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Planern und den Wiener Linien aber sehr gut, streut Andreas Gobiet dem Verkehrsdienstleister Rosen. Der Präsident der Architekten- und Ingenieurskonsulentenkammer für Wien, Niederösterreich und das Burgenland erklärt, dass das „unterirdische Wien“ generell keine großen Probleme bei der Planung verursache: Der Großteil der Tunnel und Keller sei ohnehin in Plänen oder dem Grundbuch verzeichnet. Nur wenn der Untergrund und die Umgebung unbekannt seien, werde eine „Einbautenerhebung“ durchgeführt, um die Stabilität des Bodens zu testen. Unbekannte Hohlräume – wie Keller, Kanalschächte und Erdlöcher – seien aber sehr selten, so Gobiet.

Bei den U-Bahn-Tunneln komme noch dazu, dass sie bereits auf stärkere Belastungen ausgelegt seien, erklärt Wiener-Linien-Sprecher Unger: „Beim Bau von Tunneln werden auch zukünftige Lasten miteinberechnet – also ob darüber ein neues Gebäude entstehen könnte“, und über dem Schacht liege stets noch eine Schicht Erdreich als Puffer.

Bei der Planung werde auch miteinbezogen, ob darüber überhaupt eine Bebauung möglich ist: „Der Tunnel unter der Mariahilfer Straße liegt zum Beispiel nicht so tief, weil auf der Straße selbst keine Bebauung möglich ist.“

AUF EINEN BLICK

Nachdem am Samstag ein Haus in Penzing aus noch ungeklärter Ursache eingestürzt ist und dabei einen darunterliegenden U-Bahntunnel in Mitleidenschaft gezogen hat, konnte die U3 im betroffenen Bereich nur mit 25 km/h fahren. Seit gestern darf sie wieder ihre volle Geschwindigkeit nutzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2010)

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