Justiz: Zweifel an Gross-Gutachten

Psychiater Haller könnte NS-Arzt falsch beurteilt haben.

Innsbruck (APA). Bei den laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen den Gerichtspsychiater Reinhard Haller wegen Betrugs und Falschaussage taucht ein prominenter Name auf: Haller soll im Prozess gegen den verstorbenen Psychiater Heinrich Gross, der in der Nazizeit Stationsarzt in der Wiener Euthanasieklinik Spiegelgrund war, ein „nicht nachvollziehbares Gutachten“ abgegeben haben. Das erklärt der Sachverständige Klaus Burtscher.

Gross stand im Jahr 2000 wegen Beteiligung an neun Morden vor Gericht. Der Prozess wurde aber abgebrochen, nachdem Haller dem Mediziner Gross „fortgeschrittenen Hirnabbau“ bescheinigte. Der Angeklagte galt als nicht vernehmungsfähig. Unmittelbar danach gab Gross ein TV-Interview, was Zweifel an Hallers Aussage nährte. Laut Burtscher fand damals keine fachgerechte neuropsychologische Untersuchung statt. Es sei denkbar, so Burtscher, dass Gross die Tests gekannt oder die Ergebnisse mit Psychopharmaka verfälscht haben könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2010)

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