Straße ohne Verkehrsschilder: Erfolgreicher Start

Österreichs erster "Shared Space" im steirischen Gleinstätten zeigt Wirkung: Die Durchschnittsgeschwindigkeit konnte gedrosselt werden. Autos, Fahrräder und Fußgänger sind in dem Bereich gleichberechtigt unterwegs.

Gleinstaetten Shared Space
Gleinstaetten Shared Space
Shared Space in Gleinstätten – (c) APA/Elmar Gubisch (Elmar Gubisch)

Am Wochenende ist der erste "Shared Space" im steirischen Gleinstätten für den Verkehr freigegeben worden, Anrainer und Polizei zeigen sich mit dem Pilotprojekt bisher zufrieden. Bisher hat es noch keine Zwischenfälle gegeben, berichtet Polizist Klaus Granitz. "Die Fahrer sind diszipliniert, sicher auch weil es neu ist. Die Zukunft wird zeigen, ob sich das Konzept bewährt." Zufrieden zeigte er sich nach den ersten Geschwindigkeitsmessungen: "Am Morgen haben wir 36 bis 42 km/h gemessen, früher waren es etwa 50 km/h."

Das Ziel des Projekts ist die Homogenisierung der Geschwindigkeit und damit die Senkung von Unfällen. Erreicht werden soll das mit Deregulierung. Nicht Straßenschilder, sondern gegenseitige Rücksichtnahme regelt nun den Verkehr.

An drei Kernzonen - Schule, Tankstelle und Bank - geht in Gleinstätten die Straße in Plätze über, die eine andere Pflasterung haben und sich so abheben. Das Fehlen von Verkehrsschilder zwingt Autofahrer dazu, aufmerksam zu sein, denn egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Fahrzeuglenker, jeder Verkehrsteilnehmer ist in diesem "Shared Space" gleichberechtigt.

Die B74 hat sich in Gleinstätten immer mehr zur Durchzugsstraße mit 6000 Fahrzeugen, davon 2000 Schwerfahrzeuge, entwickelt. Sie brachte eine "Geisterstadt-Atmosphäre" in die Gemeinde. Im Zuge der Generalsanierung sollte der Ortskern wieder "bevölkert" und den Autos Dominanz genommen werden. Mit 1,4 Millionen Euro setzten die Projektverantwortlichen das Konzept "Shared Space" um.

Vorbilder im Ausland, Nachahmer bei Graz

Wie Vorbilder aus den Niederlanden, Großbritannien und anderen Ländern zeigen, bewirkt gerade die Aufhebung von klaren Flächenzuweisungen nach Verkehrsart sowie Regelungen mittels Beschilderung, dass ansonsten dominante Verkehrsteilnehmer wie Autofahrer vom Gas gehen. So können sich Fußgänger theoretisch überall im Straßenraum bewegen, Fahrzeuglenker werden so gewissermaßen zu steter Aufmerksamkeit angehalten.

(c) APA
Weitere Gemeinden in Österreich sind am Konzept "Shared Space" interessiert. In Feldkirchen bei Graz und am Grazer Sonnenfelsplatz wird bereits danach geplant. Auch in Velden (Kärnten) und Vöcklabruck (Oberösterreich) zeigt man sich laut ORF daran interessiert. 

(APA)

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