Die Linzer Oper eröffnet 2013

Einigung. Volksabstimmung, Architektenstreit, Standortfrage: Das Drama um das Musiktheater scheint beendet zu sein. Das Opernhaus startet mit einer Philip-Glass-Oper.

[LINz]Das neue Linzer Musiktheater wird im April 2013 den Betrieb aufnehmen. Der ursprüngliche Zeitplan – es war von einer Eröffnung 2012 die Rede – wurde zwar verworfen, der Finanzplan sei allerdings im Rahmen: „Die Gesamtinvestitionssumme von 150 Millionen Euro werden wir einhalten“, sagte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer in einer Pressekonferenz zum geplanten Start der Linzer Oper.

Dem Spatenstich im April 2009 waren jahrelange politische Querelen, zwei Architektenwettbewerbe und eine Volksabstimmung vorausgegangen. Seit dem Grundsatzbeschluss der Landesregierung, ein Opernhaus zu errichten, sind mittlerweile 17 Jahre vergangen. Selbst nachdem man sich 2006 geeinigt hatte, den Entwurf des britischen Architekten Terry Pawson auf der Blumau zu realisieren, wurde es rund um das Musiktheater nicht wirklich ruhiger: Zuerst gab es Kritik, dass das Haus nicht rechtzeitig zum Kulturhauptstadtjahr fertig wurde. Dann wurde Pawson wegen einer umstrittenen Fassadenlösung (er wollte Metall, nun soll Stein verwendet werden) als ausführender Architekt abgelöst.

Der größte Rückschlag für die Befürworter des Prestigeobjekts war eine Volksbefragung, die die FPÖ im Jahr 2000 initiiert hatte und bei der sich 60 Prozent gegen das Haus, das damals noch in den Schlossberg gebaut werden sollte, aussprachen. Für die Fragestellung „Soll in Linz ein neues Musiktheater gebaut werden?“ gab es unterschiedliche Interpretationen: Während die Freiheitlichen das Votum als generelles Nein für einen Theaterneubau werteten, sahen die übrigen Fraktionen lediglich eine Absage an das „Theater im Berg“ und wählten vier Jahre später einfach einen neuen Standort. Die in den Schlossberg bereits investierten 200 Millionen Schilling (14,5 Millionen Euro) waren weg, die Bagger zogen wieder ab.


Zuerst Krankenhaus, jetzt Oper

Auch der Standort am ehemaligen Linzer Unfallkrankenhaus an der Blumau, wo der Bau nun realisiert wird und ein bisher vernachlässigter Stadtteil aufgewertet werden soll, ist umstritten. Gegner monieren etwa, dass damit die Wiener Straße, in deren Revitalisierung zuletzt kräftig investiert werde, von der Stadt abgetrennt werde. Auch die Verkehrsströme rund um das Areal fließen für ein Opernhaus nicht optimal. Eine städtebauliche Chance wurde vertan, meinen kritische Stimmen.

Die aktuelle Diskussion rund um die Benennung des Hauses fällt da kaum ins Gewicht. Während Raiffeisenlandesbank-Generaldirektor Ludwig Scharinger, der das Areal „gesichert“ hat, als das Unfallkrankenhaus absiedelte (die Musiktheater Linz GmbH hat es 2007 von der Raiffeisen Landesbank erworben), und im Vorstand des Vereins zur Förderung des Musiktheaters ist, den Namen „Oper am Volksgarten“ gut fände, will Pühringer, dass „Linz“ und „Oberösterreich“ im Namen genannt werden. Fest steht schon jetzt das Eröffnungsprogramm: die Uraufführung einer Philip-Glass-Oper nach dem Peter-Handke-Stück „Spuren der Verirrten“. APA/geme

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2010)

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