Welterbe Wachau in Gefahr?

Vollbetrieb der Donauuferbahn soll mit 12. Dezember eingestellt werden. Kritiker meinen, das stehe nicht im Einklang mit dem Welterbe-Status. Zusätzliche Busse sollen indess als „Schienenersatzverkehr“ agieren.

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Wien. „Der geplante Untergang der Wachau.“ Mit diesen drastischen Worten lädt heute, Mittwoch, ein Komitee, das für den Erhalt der Wachaubahn kämpft, zu einer Informationsveranstaltung in Wien. Ab 12. Dezember soll dieser Teil der Donauuferbahn als Vollbahn eingestellt werden. Auf dem knapp 34 Kilometer langen Stück durch das Weltkulturerbe Wachau zwischen Krems und Emmersdorf/Donau werden künftig – so die Kritiker – nur noch Nostalgiezüge für Touristen verkehren. Zusätzliche Busse sollen als „Schienenersatzverkehr“ agieren.

„Es ist unfassbar, was da passiert“, ärgert sich Verkehrsplaner Hermann Knoflacher. „Die Hälfte der Fahrgäste geht dadurch verloren.“ Das Bundesland Niederösterreich hat diese Bahn – wie auch zahlreiche weitere Nebenbahnen – von den ÖBB übernommen. Befürworter der Umstrukturierung meinen, die Strecke sei unrentabel und werde nur noch von Schülern genutzt – und auch das nur in geringem Maß. Daher müsse es einen besseren Mix von Schiene und Bus geben, heißt es in der ÖVP. Niederösterreichs Verkehrslandesrat Johann Heuras hat die SPÖ, die sich für den Erhalt einsetzt und mit dem Status der Wachau als Weltkulturerbe argumentiert, eingeladen, die Bahn zu übernehmen: „Die Steuerzahler sollen blechen, was die SP Niederösterreich selbst nicht tut“, meinte der VP-Politiker im September.

 

Strecke vor Hochwasser sicher

Die Problematik um das Weltkulturerbe sieht auch Wilfried Posch, Wachauberichterstatter des Unesco-Beraterkomitees „Icomos“. Die Wachaubahn sei in der Weltkulturerbe-Konvention erwähnt. Der Zustand müsse daher in Bestand und Wertigkeit erhalten bleiben. „Eine Nostalgiebahn ist damit aber sicher nicht gemeint“, argumentiert Posch. Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch die ÖVP-Bürgermeister der Anrainergemeinden, die sich mit der Einstellung des Regelbetriebs einverstanden zeigten.

Schon allein aus verkehrstechnischen Gründen habe diese Bahnstrecke enorme Bedeutung, meint Posch: „Sie ist hochwassergeschützt.“ Im Katastrophensommer 2002 seien mit den Zügen der Wachaubahn tonnenweise Hilfsgüter in die vom Hochwasser betroffenen Ortschaften transportiert worden. Das Thema um die Einstellung des Linienverkehrs in diesem Abschnitt wird mittlerweile in zahlreichen Internetforen von Bahninteressierten, Pendlern und Anrainern heftig diskutiert. Auf Facebook gibt es mittlerweile eine eigene Gruppe für den Erhalt der Wachaubahn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2010)

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