Palais Schwarzenberg: „Das schönste Haus Europas“

100 Millionen Euro sollen ab Herbst aus dem Palais Schwarzenberg ein Hotel machen, „das Wien noch nicht gesehen hat“. 70 Suiten wird das Hotel am Ende haben.

Baubeginn Schwarzenberg bdquoDas schoenste
Baubeginn Schwarzenberg bdquoDas schoenste
(c) APA (HOtel im Palais Schwarzenberg)

Wien/Rie. Wenn stimmt, dass gut wird, was lange währt, dann muss das Palais Schwarzenberg ein Traum werden. Seit Jahren brüten Architekten über Umbauplänen, seit Juni 2009 gibt es eine Baugenehmigung, trotzdem liegt das Anwesen der Familie Schwarzenberg in Wien Landstraße im Dornröschenschlaf.

Aus dem soll es heuer endgültig geweckt werden: Im Herbst sollen die Umbauarbeiten für ein Hotel beginnen, „für das Menschen einmal eigens in die Bundeshauptstadt reisen werden“, glaubt Karim Jalloul vom künftigen Betreiber JJW Hotels & Resorts. „Das wird das schönste Haus Europas.“

„Ein solches Projekt baut man nicht von heute auf morgen“, erklärt der Generaldirektor von JJW-Österreich die lange Planungsphase. Es gehe „um einen der schönsten Barockpaläste. Das ist, wie wenn man den Buckingham-Palast in ein Hotel umwandeln will.“ Dafür benötige man ausführliche Planungen, schließlich soll das Luxushotel im Palais „etwas Einzigartiges werden“.

Dass der Grund für den späten Baubeginn Finanzprobleme sind, wie gemunkelt wird, dementiert Jalloul. Die Nutzungsrechte für das Palais besitzt Scheich Mohammed Bin Issa al-Jaber, der Mehrheitseigentümer der Skifirma Kneissl ist. Dort wartet man seit Wochen auf eine Kapitalspritze des Scheichs.

Zwar habe es in der Finanzkrise tatsächlich Probleme für Fünfsternehotels gegeben, die ein deutliches Minus bei den Übernachtungen verzeichnen mussten. „Die Top-Spitze hat aber nichts gespürt.“ Deswegen wolle man auch das Schwarzenberg „im Luxussegment ganz oben ansiedeln“.

Al-Jaber habe bereits das notwendige Eigenkapital eingezahlt, die Finanzierung über eine österreichische Bank stehe, im März kämen vom Scheich noch einmal 20 Mio. Euro, dann „ist das Projekt durchfinanziert“. „Wir wollen ganz sicher keine Bauruine haben“, so Jalloul.

 

Kaffeehaus im Kuppelsaal

„Um die 100 Millionen Euro“ will die Hotelgruppe in den Neu- und Umbau des Palais investieren, um ein „Luxushotel jenseits aller Sternekategorien“ zu schaffen.

Die Pläne sind hochtrabend: „Es wird kein Hotel im herkömmlichen Sinn. Jede Suite, jedes Zimmer wird auf seine Weise einzigartig sein“, erklärt der Wiener Architekt und Generalplaner Thomas Hoppe. 70 Suiten wird das Hotel am Ende haben, 18 bis 20 davon entstehen im Garten, unter anderem in einem Anbau zum bestehenden Palais.

Die Suiten sind so angelegt, dass ein Gast für seine Familie auch mehrere zusammenlegen kann. „Aus vier Suiten kann man sich so ein Haus im Haus machen, mit einer Wohnfläche von 450 Quadratmetern.“

Im Palais selbst bleiben die Salons und Repräsentationsräume erhalten, wie etwa der Marmorsaal, der völlig renoviert wird. Im zweiten Obergeschoß entstehen Suiten, aus dem Kuppelsaal wird ein Kaffeehaus bzw. Restaurant. „Man wird es im Lauf des Tages kurzfristig durch Umstellen der Tische adaptieren können, je nach Bedarf“, sagt Koppe.

Zurzeit laufen Gespräche mit Baufirmen über einen Fixpreis für die Arbeiten. „Wir wollen hier kein Skylink machen“, sagt Jalloul mit Hinweis auf die Kostenexplosion beim Bau des Terminals am Wiener Flughafen. Eine Firma, mit der man „intensiv“ spricht, ist Porr.

Im April will die Hotelgruppe den Vertrag unterschreiben, im Herbst könnte man dann mit Bau beginnen.

In der ersten Phase werden die bestehenden Gebäude adaptiert und eine Tiefgarage vor dem Palais errichtet. In einer zweiten Phase folgt der Zubau im Park. Für die Arbeiten an dem „komplexen Projekt“ (Hoppe) habe man 24 Monate veranschlagt.

Dann wird sich auch die Weisheit bewahrheiten, dass tatsächlich gut wird, was lange währt – zumindest, wenn man Karim Jalloul glaubt: „Das wird ein Haus, das Wien noch nicht gesehen hat.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)

Kommentar zu Artikel:

Palais Schwarzenberg: „Das schönste Haus Europas“

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen