Ätherwinde sollen Mauern trocknen

Aquapol. Ein Unternehmen in Niederösterreich verspricht Trockenlegung ohne Stemmen oder Chemie. Das zugrunde liegende Konzept widerspricht allerdings der etablierten Physik, die zur Wirksamkeit ihre eigene Theorie hat.

Aufwendige Eingriffe ins Mauerwerk, Chemie mit bedingter Wirkung... die klassischen Verfahren, um Mauern trockenzulegen, sind für Hausbesitzer nicht unbedingt verlockend.

Aquapol, ein seit 25Jahren tätiges Unternehmen mit Sitz in Reichenau an der Rax, verspricht eine Alternative, die ohne Bauarbeiten oder Chemikalien auskommt. Alles, was man braucht, sind lusterartige Metallgebilde von etwa 30 bis 50Zentimeter Durchmesser, die im betroffenen Gebäude aufgehängt werden. „Das gravomagnetische Feld der Erde wird durch die Geräte empfangen, moduliert und so wieder abgestrahlt, dass das Wasser in den Mauern zurück in den Boden gedrückt wird“, umreißt Aquapol-Vertriebsleiter Dieter Proksch die Wirkungsweise. Da, zumindest nach Ansicht des Erfinders und Firmengründers Wilhelm Morhon, das gravomagnetische Feld als eine Art Äther überall vorhanden ist, benötigen die Aquapol-Geräte keinen Stromanschluss und auch sonst keinerlei Energiezufuhr – was Anlass zu gewisser Skepsis gibt. Die Aquapol beruft sich unter anderem auf den Physiker Nikolai Tesla, Namensgeber der magnetischen Feldstärke und sogar ein angeblich missverstandener Albert Einstein, muss auf der Aquapol-Homepage herhalten. Allerdings ist das gravomagnetische Feld (das weder mit dem bekannten Magnet- noch dem Schwerefeld identisch ist) kein Bestandteil irgendeiner anerkannten naturwissenschaftlichen Theorie. Entsprechend hart fällt das Urteil von Werner Gruber aus. Der Physiker an der Uni Wien und „Science Buster“ bezeichnet die Grundlage der Aquapol-Methode als „vollkommenen Humbug“ – die beschriebenen Felder würden schlicht nicht existieren.


Von Parlament bis Weinkeller

Proksch hält sich ohnehin nicht gern mit der Theorie auf, sondern spricht lieber über die Resultate. „Der größte Teil der Gebäude, in denen ein Aquapol-Gerät installiert ist, wird trocken oder die Feuchtigkeit zumindest deutlich verringert“, bekräftigt der Vertriebsleiter. Zum Beleg kann Aquapol auf prominente Referenzen verweisen. Unter anderem wurde diese Methode beim ungarischen Parlament, dem Haydn-Museum oder in der Vinothek des Stifts Klosterneuburg angewandt. Auch zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, vom Ehrenzeichen des Wissenschaftsministeriums bis zu einem Preis für Denkmalpflege in Polen, und nicht zuletzt diverse Gutachten, die eine messbare Entfeuchtung attestieren, kann Proksch für Aquapol ins Feld führen.

Freilich hat jede Methode ihre Grenzen. „Wenn etwa Hangwasser die Feuchtigkeit in die Mauern drückt, bekommen auch wir sie nicht trocken“, so Proksch. Daher werde immer vorab die Situation geprüft und nur dort eine der zwischen rund 4000 und 9000Euro teuren Aqapol-Geräte installiert, wo das System Erfolg verspricht. Die Wirksamkeit wird dann zwei bis dreimal im Jahresabstand überprüft – mit der Önorm-konformen Darr-Methode. Sollte kein befriedigendes Ergebnis erzielt werden, „so wird man sich mit dem Kunden einigen“, sagt Proksch. Allerdings seien immer auch flankierende Maßnahmen wie ausreichende Lüftung und Heizung notwendig. „Das gilt aber für jede Methode der Mauertrockenlegung“, betont Proksch.


Trocken auch ohne Äther

Genau jene „flankierenden Maßnahmen“ sind es, die eine naturwissenschaftliche Erklärung für Erfolge der Aquapol-Methode bieten. Laut Oberhummer sind Verbesserungen des Zustands – sofern sie messbar sind – allein auf die Umstellung des Nutzungsverhaltes der Bewohner zurückzuführen. Nachsatz: „Trockenheit ist auch immer subjektiv.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2011)

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