Disco: Die Familie hinter Volksgarten und Palmenhaus

Familie Böhm führt seit Jahren Disco, Banane und Pavillon im Volksgarten sowie das Restaurant im Palmenhaus. Jetzt wird die Volksgarten-Disco rundum erneuert, der Pavillon feiert seinen 60er.

(c) Clemens Fabry

Wien. Michael Böhm hat derzeit ungewöhnliche Arbeitszeiten. Der Volksgarten-Disco-Betreiber ist es nicht gewohnt, um sieben Uhr früh aufzustehen. Schuld daran sind die bevorstehenden Umbauarbeiten der Clubdisco und Banane. „Am Montag beginnen wir mit den Umbauarbeiten in der Banane. Bis 15.Mai läuft noch der Betrieb, am 7.Mai gibt es eine große Abschlussparty inklusive Flohmarkt, bei dem altes Dekomaterial verkauft wird“, sagt Böhm.

Ende Juni/Anfang Juli sollen die Disco und die Banane wiedereröffnet werden. „Wir wollen eine Rückführung des ursprünglichen Zustands der 1950er-Jahre“, sagt Böhm. Neben der Architektur soll aber auch das gastronomische Konzept überarbeitet werden. Details dazu will er noch nicht verraten. Nur so viel: „Im Laufe der Jahre schleicht sich eine Betriebsblindheit ein. Wir wollen das gastronomische Konzept komplett neu gestalten.“

Auch sonst stehen der Disco, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, einige Neuerungen bevor. Während sich Disco und Wintergarten eher auf die kommerzielle Schiene konzentrieren sollen, soll in der Banane ein alternatives Programm geboten werden. „Ich habe dazu die besten Veranstalter der Stadt am Tisch – wen will ich noch nicht verraten. Es soll undergroundiger werden.“ Vielleicht erhält die Banane, die eigentlich Cortische Säulenhalle heißt, dann auch einen neuen Namen. Wirklich glücklich war Böhm mit der Bezeichnung, die sich durch eine Veranstaltung eingebürgert hat, ohnehin nie. „Das kommt nicht so gut bei Firmenveranstaltungen, und es ist auch eine Entwürdigung des Ortes“, sagt Böhm.

 

Udo Jürgens und Italo-Bands

Und der ist ihm und seinen Geschwistern Barbara und Andreas wichtig. Die drei sind mittlerweile sozusagen die Familie hinter Volksgarten und Palmenhaus. Ihr Vater, Peter Böhm, hat nach Kriegsende damit begonnen, im Volksgarten Konzerte zu veranstalten. Bei einer Art Stadtheurigem spielten damals Udo Jürgens oder Joe Zawinul. In den 1960er-Jahren waren dort italienische Bands en vogue. In den 1970er-Jahren begann dann die Disco-Ära. Die hat sich bis heute mehr oder weniger gehalten. In den letzten Jahrzehnten hat Peter Böhm die Volksgarten-Disco, inklusive Cortische Säulenhalle beziehungsweise Banane, Volksgarten Pavillon und Palmenhaus im Burggarten an seine Kinder übergeben. Nachtmensch Michael (51) kümmert sich seit 1986 um die Discothek, Andreas (47) und Barbara (43) seit 1983 gemeinsam um das Palmenhaus und den Pavillon im Volksgarten. „Das ergänzt sich gut, wir kommen uns so nicht in die Quere“, sagt Michael.

Dass alle drei die Geschäfte des Vaters übernehmen, war eigentlich nicht in dessen Sinne. „Der hat uns nie dazu gedrängt, das zu machen. Im Gegenteil, er hat uns eher abgeraten, weil er weiß, was das für ein Knochenjob ist. Vielleicht lag aber einfach Taktik dahinter“, sagt Andreas. Mittlerweile dürfte der Vater mit der Entscheidung seiner Kinder glücklich sein. Sein „Erbe“ scheint ihm gut verwaltet.

„Früher fand ich es immer unheimlich peinlich, wenn der Vater im Restaurant unter die Tischdecke geschaut hat, um die Tischplatte zu inspizieren. Heute mache ich das selber“, sagt Barbara Böhm. Für sie und ihre Brüder ist es einfach etwas Besonderes, sich um Räumlichkeiten zu kümmern, die Teil der Wiener Geschichte sind. „Das ist einfach zeitlos genial. Seit den 1950er-Jahren ist das das einzige Gebäude, bei dem man zwei Dächer aufmachen kann und die Fenster in den Boden lassen kann“, schwärmt Andreas Böhm über den Pavillon, der am 29.April aus der Winterpause erwacht. Ende Juni feiert der Pavillon sein 60-jähriges Bestehen. Derzeit tüftelt man noch an einem Konzept.

Es spricht also nichts dagegen, dass der Volksgarten und das Palmenhaus noch länger in Händen der Familie Böhm bleiben. Ans Aufhören denken die drei noch lange nicht. Michael Böhm, der vom Nachtgeschäft schon etwas müde wirkt, hat zwar seit rund 18Jahren mit Kaveh Ali einen Geschäftspartner, „der etwas von Partys versteht“. Für eine familieninterne Nachfolge hat der vierfache Vater selbst gesorgt. Seine 25-jährige Tochter schnuppert bereits auch beruflich Volksgarten-Luft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2011)

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