Die Zukunft des Wiener Weins liegt in Oberlaa

Der Expansionskurs der Wiener Weinbauern stößt an Grenzen. Weingartenflächen in Grinzing, Mauer und Stammersdorf sind rar und sehr teuer. Die Suche nach Rebflächen führt die Winzer nun nach Favoriten.

(c) Clemens Fabry

Wien. Dass ihr großer Erfolg einmal zu einem Problem werden könnte, hätten sich die Mitglieder der Winzergruppe „Wien Wein“ nicht träumen lassen. Doch nun ist es passiert. Die Betriebe wuchsen in den vergangenen Jahren rasend schnell. Für manche nicht schnell genug. Etwa für das Weingut Zahel in Mauer. 2003 bewirtschaftete es gerade einmal sieben Hektar Weingärten. Mittlerweile sind es 25. Doch plötzlich schien der Expansionskurs jäh gestoppt.

„In Wien einen Weingarten zu kaufen, ist ein fast unmögliches Unterfangen“, erzählt Alexander Skoff. Er ist beim Weingut Zahel für den Weinbau verantwortlich. „Wer in Wien Grund und Boden besitzt, verkauft entweder gar nicht oder zu exorbitanten Preisen“, erzählt er. In der Regel werden Weingärten deshalb langfristig, meist auf 30 Jahre verpachtet. „70 Prozent unserer Weingärten sind gepachtet“, erzählt Skoff. „Kaufen wäre in der Regel völlig unrentabel.“

Ein Quadratmeter Weingarten kostet in Mauer oder am Bisamberg zwischen sieben und zwölf Euro. Das sind schon regelrechte Apothekerpreise. Denn dort, wo der Bisamberg schon zu Niederösterreich gehört, ist der Boden nur noch ein Zehntel wert. In Gumpoldskirchen etwa kostet der Quadratmeter Weingarten zwischen einem und zwei Euro.

 

40 Euro für den Quadratmeter

Wien ist eben ein teures Pflaster. „Am Nussberg werden mitunter Preise von 40 Euro pro Quadratmeter verlangt“, weiß Skoff. Was die Preise für Weingärten so enorm in die Höhe treibt, ist die Hoffnung auf Umwidmung in Bauland. Was früher die Reblaus war, sind heute die Immobilienspekulanten.

Denn mitunter führt die Grundstücksspekulation sogar zum Verlust von Weingartenflächen. In Mauer geht soeben ein Hektar Toplage verloren, weil sie nicht mehr bewirtschaftet wird. „Der Besitzer verlangt einen astronomischen Preis“, berichten Winzer.

Mittlerweile hat sich der einst gerodete Weingarten längst in einen Wald verwandelt. „Und einmal Wald, immer Wald“, so die saloppe Interpretation des Forstgesetzes. Wien verfügt über etwa 720 Hektar Weingartenfläche. Doch nur 620 Hektar werden derzeit tatsächlich von den Weinbauern bewirtschaftet und kultiviert. Ungefähr 100 Hektar liegen bestenfalls brach oder verwildern schlimmstenfalls in den Händen von Spekulanten.

Doch es gibt auch Hoffnung. Denn neben den bekannten Wiener Weinbergen Nussberg, Bisamberg oder Maurerberg fristete ein kleines, abgeschiedenes Gebiet in Favoriten ein beschauliches Mauerblümchendasein. Die Rede ist von den Weingärten in Oberlaa.

25 Hektar werden hier meist von kleinen Heurigenwinzern gepflegt. Die Rieden Goldberg, Weichseltalen und Johannispointen sind allerdings nur wenigen Weinkennern ein Begriff. Doch das könnte sich bald ändern. Der Dornröschenschlaf könnte nun ein Ende haben.

 

Wärmste Zone der Stadt

„Oberlaa stellt eine große Chance für den Wiener Weinbau dar“, sagt Alexander Skoff. Mittlerweile hat das Weingut Zahel bereits einige Weingärten gepachtet. „Wir haben Gemischten Satz und Grünen Veltliner ausgepflanzt“, berichtet er.

Die Region Oberlaa ist die wärmste Weinbauzone der Stadt. Die Löss- und Schotterböden bieten ideale Bedingungen nicht nur für Weißwein, sondern auch für Rotwein.

Und mitten in Favoriten schlummert auch noch ein weiterer Weinschatz. Neben den ausgepflanzten Weingärten gibt es auch 25 Hektar Wiesen – die allerdings als Weingartenflächen ausgewiesen sind und somit ein potenzielles Weinentwicklungsgebiet darstellen.

Die Zukunft des Wiener Weins liegt somit in Oberlaa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2011)

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