Starkregen: Millionenschäden durch Unwetter

In Ostösterreich standen Straßenzüge und Keller unter Wasser, das Wiener Krankenhaus Rudolfstiftung ist nach wie vor gesperrt. In Oberösterreich richtete Hagel Schäden von 2,6 Mio. Euro an.

Unwetter Uberschwemmung Keller
Unwetter Uberschwemmung Keller
Feuerwehrleute pumpen in Mödling einen Keller aus – (c) APA/HERBERT WIMMER/BFK M�DLING (Herbert Wimmer/bfk M�dling)

Regen wie nur alle 30 Jahre – das vermeldete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) zum heftigen Gewitter, das am Mittwoch über Ostösterreich niederging. In der Wiener Innenstadt hat es rekordverdächtige 40 Millimeter in nur einer halben Stunde geregnet - und das gleich zweimal. Insgesamt fielen in der Innenstadt in 24 Stunden 84 Liter Regen pro Quadratmeter. Im Durchschnitt sind es im gesamten Juni nur 63 Liter.

Doch auch im Wein- und Waldviertel hat es innerhalb kurzer Zeit sehr intensiv geregnet - in Allentsteig zum Beispiel innerhalb einer Stunde 45 Liter pro Quadratmeter. Im südsteirischen Bezirk Feldbach waren es 40 Liter, in Tulln in Niederösterreich 38 Liter pro Quadratmeter.

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Einige Straßenzüge standen kurzfristig unter Wasser, etwa der Rennweg oder die Unterführung Matzleinsdorfer Platz am Gürtel. Beeinträchtigungen durch das Wasser gab es auch auf der Ostautobahn im Bereich Alt-Simmering und rund um den Praterstern. Dabei sorgte der Starkregen auch für Staus und Behinderungen auf den Wiener Einfahrtsrouten. Am Schwarzenbergplatz fiel durch den Regen eine Ampelanlage aus, was das Verkehrschaos verschärfte.

Teilweise kam es auch zu Verspätungen und Behinderungen im öffentlichen Verkehr, weil Wasser in Stationen eingedrungen war, Straßenbahnweichen überspült wurden. Die Feuerwehr musste zu 300 Einsätzen ausrücken. Schwerpunkt der Tätigkeit waren demnach die Bezirke Landstraße und Simmering. Einige Einsätze waren auch in Wieden und Favoriten.

Starkregen: Schwere Unwetter über Österreich

Rudolfstiftung vorübergehend gesperrt

Als Folge des Starkregens musste die Wiener Rudolfstiftung für neue Patienten gesperrt werden. Im Eingangsbereich sowie in Teilen des Gebäudes sei Wasser eingedrungen, weshalb das Spital von der Rettung nicht angefahren werde, hieß es aus dem Krankenanstaltenverbund (KAV). Bis Freitagmorgen soll die Rettungszufahrt wieder geöffnet werden. Im Haus befindliche Patienten wurden aber weiter behandelt, wurde via Aussendung versichert.

Die schweren Regenfälle setzten nicht nur einzelne Wiener Straßenzüge, sondern auch Schulgebäude teilweise unter Wasser: Schüler der AHS Kundmanngasse im dritten Bezirk wurden nach Angaben des Wiener Stadtschulrats früher aus dem Nachmittagsunterricht entlassen, weil Wasser in Teile des Schulgebäudes eingedrungen war. Wie gegenüber der „Presse“ von Schülern bestätigt wurde, hatte sich zentimeterhoch Wasser angesammelt, das mit Kübeln und Tüchern ausgeschöpft werden musste. Auch in der Hauptschule Herzgasse (10. Bezirk) gab es einen Wassereinbruch. Ob alle Klassen noch benützbar sind, wird eine Überprüfung in der Nacht auf Donnerstag ergeben. Der Unterricht soll nun notfalls in Ersatzquartieren durchgeführt werden.

Großeinsatz in Niederösterreich

Auch in Niederösterreich führte der starke Regen zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Am schlimmsten war es in den Bezirken Horn und Mödling. 40 Mal musste die Feuerwehr am Nachmittag alleine im Bezirk Mödling ausrücken. Der wolkenbruchartige Niederschlag überflutete Keller, Tiefgaragen und Kanalschächte. Am stärksten betroffen waren die Orte Mödling, Maria Enzersdorf und Wiener Neudorf.

Für den ausgetrockneten Boden waren die Wassermassen auch im Waldviertel zu viel: Allein im Bezirk Horn arbeiteten 120 Mann auf vermurten Straßen und in überfluteten Kellern. Am Abend verlagerten sich die Unwetter auch in den Bezirk St. Pölten, wo zahlreiche Feuerwehren ausrücken mussten.

Zu Löscharbeiten musste die Feuerwehr Gutenstein auf den Mariahilfberg ausrücken: Dort hatte auf dem Kreuzweg neben der Kapelle der Blitz eingeschlagen und den trockenen Wald in Brand gesetzt. Weil ein Wanderer schnell Alarm geschlagen und die Feuerwehr im unwegsamen Gelände eine 300 Meter lange Löschwasserleitung gelegt hatte, hielt sich der Schaden in Grenzen.

OÖ: 2,6 Mio. Euro Schaden durch Hagel

In Oberösterreich richtete Hagel auf den Feldern 2,6 Millionen Euro Schaden an. Rund 8500 Hektar Agrarflächen in den Bezirken Freistadt, Linz-Land und Perg wurden laut ersten Erhebungen durch Sachverständige beschädigt, berichtete die Österreichische Hagelversicherung. Betroffen seien alle Ackerkulturen, besonders Raps, Getreide, Mais und Sojabohnen.

In Enns (Bezirk Linz-Land) bedeckten Hagelkörner die Straße, in Schwertberg (Bezirk Perg), wo die Aufräumarbeiten am Vormittag noch andauerten, waren Zufahrten bis zu 40 Zentimeter hoch vermurt. Rund 50 Mal mussten die Feuerwehren in der Nacht ausrücken. Allein im Schwertberger Ortsteil Poneggen standen 130 Leute im Einsatz. Bei Mauthausen (ebenfalls Bezirk Perg) trat ein Bach über die Ufer, die Mauthausener Straße (B123) musste kurzzeitig gesperrt werden. In Enns wurde die Feuerwehr innerhalb von sechs Stunden 33 Mal gerufen, alle paar Minuten meldeten Bewohner abgedeckte Häuser, überflutete Keller oder umgeknickte Bäume.

Steiermark: Zweites Unwetter in 24 Stunden

Die Steiermark ist zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden von heftigen Unwettern heimgesucht worden, die für Überschwemmungen gesorgt haben. Die bereits in der Nacht davor stark betroffene Gemeinde Gnas (Bezirk Feldbach) wurde neuerlich von den Wassermassen teilweise überflutet. Insgesamt waren mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz, so der Landesfeuerwehrverband.

Statt 35 Liter waren es in der Nacht auf Donnerstag sogar 40 Liter pro Quadratmeter, die innerhalb weniger Stunden niedergingen. Gegen 2 Uhr mussten in Gnas neun Feuerwehren mit rund 90 Helfern und 15 Fahrzeugen zur Hilfe ausrücken. Mehrere Landesstraßen waren teilweise bis voraussichtlich Mittag wegen Überflutungen gesperrt. Die Lenker wurden ersucht, äußerst vorsichtig auf den betroffenen Straßen zu fahren, da sich Autos auf Schlamm "wie auf Eis" verhalten würden, meinte Thomas Meier vom Landesfeuerwehrverband.

Die Pegelstände des Poppendorf-, Kohlberg- und Gnasbachs waren zwischenzeitlich bedrohlich angestiegen, hatten sich aber bis in die Vormittagsstunden wieder normalisiert, so Meier. Zusätzlich zu den Feuerwehrleuten waren auch zahlreiche Helfer vom Straßenerhaltungsdienst im Einsatz, um die Verkehrswege so schnell wie möglich wieder befahrbar zu machen.

(APA)

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