Fliegerhorst: Soldaten im Störche-Krieg

Um die am 1. und 2. Juli stattfindende Flugshow "Airpower" nicht zu gefährden, sind Rekruten als lebende Vogelscheuchen im Einsatz. Die Störche sind ein ernst zu nehmenden Sicherheitsprobleme für die Flugzeuge.

(c) AP (WINFRIED ROTHERMEL)

Graz. „Sich mit aufrechtem Gang und forschem Schritt offensichtlich annähern und den direkten Blickkontakt suchen!“ So lautet der Befehl für die rund 30 Soldaten, die derzeit rund um den Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg im „Fronteinsatz“ sind.

Der „Feind“: 30 Weißstörche.

Die Großvögel hatten sich in den vergangenen Wochen die saftigen Wiesen des Bundesheer-Flugplatzes als Nahrungsquellgebiet ausgesucht. Damit wurden sie für die am 1. und 2. Juli stattfindende Flugshow „Airpower“ aber zu einem ernst zu nehmenden Sicherheitsproblem für die Kunst-, Militär- und Showflugzeuge. Zum einen, weil die Tiere in ein Triebwerk angesaugt werden könnten und eine Notlandung erzwingen würden; zum anderen bestünde die Gefahr in der Luft mit den Cockpits der Jets zu touchieren, wodurch die Sichtfenster bersten könnten.

Daher hat man sich zu einer Vertreibung der Störche entschieden. Erste Überlegungen, eine „motivierte Absiedelung“ in andere Areale zu erreichen, indem dort Plastikstörche als Lockvögel dienen sollten, wurden schnell ad acta gelegt. Schon vergangenes Jahr schlug der Versuch fehl, mittels Köder die Tiere in Käfige zu locken, um sie dann abtransportieren zu können.

 

Vögeln soll es „zu blöd“ werden

So hat man sich bei der dieses Jahr stark angewachsenen Storchenpopulation auf „starren Blick und forschen Schritt“ als Abwehrstrategie verlegt. Herkömmliche Lärmentwicklung reicht bei den an Eurofighter und Black-Hawk-Hubschrauber gewöhnten Tiere nämlich nicht mehr. Die „Frontlinie“ hat man mittlerweile per Sonderbescheid über die Flugplatzgrenzen hinaus in die gesamte umliegende Region des Aichfelds ausgeweitet. „Wir hoffen, dass es den Vögeln rasch zu blöd wird, das Gelände überhaupt noch anzufliegen“, erklärt Siegfried Prinz, Leiter des Naturschutzzentrums Bruck/Mur die Taktik.

Abgezielt wird auf das Nahrungsverhalten der Tiere. Mindestens eine Stunde brauchen sie, um die Tagesmenge an Fröschen, Würmern, Larven oder Heuschrecken vom Boden aufgepickt zu haben. Diese Zeit will man ihnen nicht lassen. Um möglichst effizient vorzugehen, wurde zunächst ein Kataster von Wiesen erstellt. Wird ein anfliegender Storch gesichtet, alarmiert Prinz die mit Funkgeräten und Fernglas aufgerüsteten Minitrupps von Soldaten, die dann als lebende Vogelscheuchen ausrücken. Man sei „flächendeckend und akribisch“ von fünf bis 22Uhr im Einsatz, heißt es seitens des Heeres zuversichtlich. Ein Plan B (Abschießen) liegt derzeit nicht in der Schublade, wird versichert. Tierschützer sind dennoch in Alarmbereitschaft. Nicht nur der Abschuss der Störche, auch das sogenannte „Vergrämen“ ist laut Naturschutzgesetz und europäischer Vogelschutzrichtlinie nicht erlaubt, kritisiert „Vier Pfoten“-Geschäftsführerin Johanna Stadler.

Auf einen Blick

30 Störche, die am und rund um den Fliegerhorst in Zeltweg auf Nahrungssuche gehen, gefährden die Sicherheit bei der „Airpower“-Flugshow Anfang Juli. Soldaten sind jetzt als „lebende Vogelscheuchen“ in der Region unterwegs. Tierschützer haben für die Landtagssitzung heute in Graz Proteste angekündigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2011)

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