Fall Kührer: Blaue Decke als neue Spur

Auf den Überresten der teilweise verbrannten Decke wollen die Ermittler nach DNA-Spuren suchen. Die Staatsanwaltschaft ist nicht glücklich über die Freilassung des Verdächtigen.

Fall Kührer: Blaue Decke gefunden
Fall Kührer: Blaue Decke gefunden
Fall Kührer: Blaue Decke gefunden – Ort des Leichenfundes (c) APA (Georg Hochmuth)

Im Fall Julia Kührer gibt es eine mögliche neue Spur: Neben den sterblichen Überresten des Mädchens haben die Ermittler Teile einer blauen Decke gefunden, berichtete das ORF-Radio "Ö3" am Dienstag. Nun hoffen die Kriminalisten, darauf DNA-Spuren zu finden, die sie zum Täter führen könnten. Das Ergebnis der Untersuchungen soll allerdings erst in einigen Wochen vorliegen.

Das Fundstück "war nicht vergraben, aber das ist keine ganze Decke, sondern ein Teil einer Decke", sagte der Ermittlungsleiter des Bundeskriminalamts (BK), Ernst Geiger. Diese Decke soll teilweise verbrannt gewesen sein. Sie habe eine "sehr lange Liegedauer". Die Untersuchung sei aufwendig und mühselig und würde dauern. "Aber es gibt gute Hoffnungen, dass wir hier eine Spur haben - möglicherweise die Spur des Täters", so Geiger.

Ermittler mit Enthaftung "nicht glücklich"

Karl Schober, der Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg, räumte am Dienstag ein, mit der am Sonntag erfolgten Entscheidung des Gerichts, den 50-jährigen Michael K. aus Wien zu enthaften, "nicht glücklich" zu sein. "Der Richter hat gesagt, es gibt zwar einen Tatverdacht, aber er ist nicht so dringend, dass er die U-Haft rechtfertigen würde", erklärte Schober.

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hat vorerst noch keine Entscheidung getroffen, ob sie beim Oberlandesgericht Wien Beschwerde gegen die Enthaftung erheben werde. Schober verwies auf die zur Verfügung stehende Frist von 14 Tagen. Die schriftliche Beschlussausfertigung des Gerichts war am Vortag erfolgt.

Die polizeilichen Untersuchungen in Dietmannsdorf 3 in der Gemeinde Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn), dem Fundort der sterblichen Überreste der fünf Jahre lang vermisst gewesenen Julia Kührer, waren am Dienstag unverändert im Gang. Spurenauswertungen seien im Laufen, so Schober. Seitens der Staatsanwaltschaft gab es vorerst keine weiteren Aufträge. "Wir warten Ermittlungsergebnisse der Polizei ab."

Die Kriminalisten sollen versuchen, "die Entscheidungsgrundlage zu verbreitern", merkte Schober außerdem an. Es sollen also weitere Beweismittel gesucht werden, die entweder für eine Verwicklung des 50-Jährigen in das Verbrechen sprechen oder die geeignet sind, seine (Mit-)Täterschaft auszuschließen.

 

Fall Kührer

Das Skelett des seit Juni 2006 vermissten, damals sechzehnjährigen Mädchens aus Pulkau in Niederösterreich war am 30. Juni in einem Keller in Dietmannsdorf (Bezirk Hollabrunn) gefunden worden. Die Knochen wurden aufgrund des Zahnschemas kurz darauf eindeutig identifiziert. Der damals festgenommene fünfzig-jährige Michael K., der Verfügungsberechtigte der Liegenschaft, wurde am vergangenen Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt.

(Ag.)

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