Abtreibungsarzt will Klinik in Westösterreich eröffnen

Im Salzburger Landeskrankenhaus hat Christian Fiala schon eine Ambulanz für Schwangerschaftsabbrüche aufgebaut. Nun bietet er sich auch für Tirol an. In Salzburg behandelt er pro Jahr bis zu 100 Klientinnen aus Tirol.

Abtreibung FIALA Westoesterreich
Abtreibung FIALA Westoesterreich
Christian Fiala in seiner Klinik Gynmed in Wien – (c) AP (Martin Schalk)

Nach dem Vorstoß von Gesundheitsminister Alois Stöger, der sich die Möglichkeit für Schwangerschaftsabbrüche auch in Westösterreich wünscht, bietet der Gynäkologe Christian Fiala an, eine Abtreibungsambulanz in Tirol oder Vorarlberg aufzubauen. Ähnlich wie in der Salzburger Landesklinik könne man "gemeinsam mit lokalen Einrichtungen" eine Klinik einrichten, sagte er im Gespräch mit "DiePresse.com".

2005 hat der Leiter des Wiener Gynmed-Ambulatoriums auf Initiative der Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) im Spital St. Johann eine Ambulanz für Schwangerschaftsabbrüche eröffnet, deren medizinischer Leiter er ist. "Das ist keine Filiale von mir, sondern gehört der Landesklinik", so Fiala. An zwei Tagen in der Woche führt er mit einem zweiten Wiener Arzt bei ungewollt Schwangeren Kürettagen und medikamentöse Abbrüche durch. Bisher habe sich nur eine Salzburger Gynäkologin gefunden, die bereit sei, in der Ambulanz Abbrüche durchzuführen. "Der Druck auf Ärzte aus dem sozialen Umfeld ist immer noch sehr hoch", schilderte Fiala die Probleme.

Bis zu zehn Prozent der Klientinnen aus Tirol

Von den 800 bis 900 Klientinnen pro Jahr kommen bis zu zehn Prozent aus Tirol. "Spitäler haben eine Verpflichtung - ungeachtet ihrer Weltanschauungen - zur Versorgung der Bevölkerung", forderte Fiala. In Tirol gebe es nur drei Fachärzte, die Abtreibungen durchführen würden, allerdings zu einem merklich höheren Preis als in der Salzburger Ambulanz. In Salzburg kostet der Eingriff 460 Euro.

Woran es für eine Abtreibungsklinik in Tirol oder Vorarlberg noch mangle, sei der politische Wille, meinte Fiala. "Auch in Salzburg war die Aufregung anfangs groß. Aber mit der Zeit hat man gesehen, dass es keine vernünftige Alternative gibt." Neben den medizinischen Eingriffen bei "Verhütungsunfällen" sei auch eine entsprechende Beratung und Prävention nötig: "In Salzburg haben wir drei Psychologinnen, die gemeinsam mit uns Ärzten zum Thema Verhütung beraten."

Stöger: Auch Grupenpraxis denkbar

Am Donnerstag hat Minister Stöger nach Gegenwind vom Koalitionspartner ÖVP seinen Vorschlag etwas abgeschwächt: So müssen Schwangerschaftsabbrüche nicht zwingend in einem öffentlichen Spital angeboten werden, auch eine Gruppenpaxis wäre denkbar, sofern sie in der Nähe der Klientinnen sei, sagte er im Ö1 Mittagsjournal.

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