Die Republik verkauft ihre Schrebergärten

Der Bund trennt sich von kleinen Teilen seiner Liegenschaften, den Kleingärten. In den nächsten Jahren plant die Bundesimmobiliengesellschaft 100.000 m2 Kleingartenfläche an ihre Pächter zu verkaufen.

Republik verkauft ihre Schrebergaerten
Republik verkauft ihre Schrebergaerten
(c) AP (MICHAEL SOHN)

Wien. Derzeit werden die letzten Vorbereitungen getroffen, ab dem Herbst des heurigen Jahres starten Parzellenverkäufe in den Kleingartenvereinen Wasserwiese, Landstraßer Gürtel und Kaisermühlen.

„Die Verwaltung von Schrebergärten gehört nicht zum Kerngeschäft der Bundesimmobiliengesellschaft. Deshalb verkaufen wir diese sukzessive an die Pächter“, erklärt BIG-Sprecher Ernst Eichinger im Gespräch mit der „Presse“. Die Kleingärten erstand die Immobiliengesellschaft des Bundes ursprünglich im Jahr 2001, unter anderem mit 10.000 Wohnungen in einem großen Liegenschaftspaket von der Republik Österreich.

Etwa 200 Parzellen hat die BIG seit dem Jahr 2001 in anderen Vereinen verkauft. Das Interesse der Kleingärtner sei bei derartigen Aktionen bisher sehr groß gewesen, berichtet Eichinger. Bis der Großteil an Kleingärten eines Vereins verkauft ist, vergehen aber meist mehrere Jahre.

Langfristig wolle die BIG auch die restlichen 500.000 m2 an die Pächter verkaufen. Einen Zeitplan gebe es dafür noch nicht. Nur so viel verrät Eichinger: Die nächsten Verkäufe sollen ebenfalls im Prater stattfinden.

 

Gemischte Gefühle im Verein

Josef Vrca, der Vereinsobmann des von den Verkäufen im Herbst betroffenen Kleingartenvereins (KGV) Wasserwiese, sieht dem Verkauf mit gemischten Gefühlen entgegen. „Die Erfahrung von anderen Kleingartenvereinen hat gezeigt, dass die Mischung aus Eigentümern und Pächtern nicht gut ist“, sagt er.

Bisher sind nämlich alle Schrebergärtner nur Unterpächter beim Zentralverband der Kleingärtner. Der Kleingartenverein hebt die Pacht ein und verwaltet Wege und Kanäle. Er legt mit der Gartenordnung fest, wann gearbeitet, was gepflanzt und sogar wie der Garten umzäunt werden darf. Genau die Einhaltung dieser Gartenordnung sieht Vrca – wohl nicht ganz zu Unrecht – in Gefahr.

Seit etwa einem Jahr laufen die Vorbereitungen von Vereinsleitung und BIG. Im Herbst (ein genaueres Datum ist noch nicht bekannt) wird die BIG dann jeden Pächter persönlich anschreiben und ein konkretes Verkaufsangebot machen. Laut den Informationen auf der Homepage der Bundesimmobiliengesellschaft müsse sich „eine Mehrheit der Pächter“ für den Kauf interessieren.

Eichinger hingegen meint, dass der Kauf einer Parzelle unabhängig von den Nachbarn stattfindet. Bevor die Übernahme durchgeführt werden kann, muss der Zentralverband zunächst noch auf den Generalpachtsanspruch verzichten – dies ist aber nur eine formale Angelegenheit. Der Kleingartenverein Wasserwiese ist einer von drei Vereinen, deren Schrebergärten in den kommenden Monaten zum Verkauf angeboten werden. Der Grund der Kleingartensiedlung Wasserwiese ist fast ausschließlich in BIG-Hand, 859 Parzellen sind vom Verkauf betroffen. Die Preise für die Parzellen dürften weit auseinanderklaffen. Vor allem entscheiden Größe und Lage über den Preis. Würden die zukünftigen Eigentümer ihr Grundstück später auf dem freien Markt verkaufen, stiege der Wert auch mit der Bebauung.

 

Der Wunsch nach einem Haus

Wohnhäuser findet man in Kleingartensiedlungen generell immer öfter, denn der Wunsch nach einem Eigenheim ist ungebrochen (siehe auch unten stehenden Bericht).

Wenn der Grund als „Siedlungsgebiet“ oder „Kleingartengebiet für ganzjähriges Wohnen“ gewidmet ist, können Pächter auch ein Haus bauen und ihren Hauptwohnsitz dorthin verlegen. Diese Regelung existiert seit dem Jahr 1992. Dass die Zahl an Hausbauten durch den Anstieg an Eigentümern wächst, glaubt Obmann Vrca nicht, weil man ohnehin auch als Pächter bauen kann und die Pacht auch an die Kinder weitergegeben („überschrieben“) werden kann. Es gebe ja immerhin noch die Bauvorschriften und Flächenwidmungen der Stadt Wien. Die sind schließlich vom Eigentümer unabhängig. Allerdings scheine das Interesse aufgrund der vermutlich hohen Preise ohnehin nicht allzu groß.

Die Gärtnerin Hilde Deutsch etwa, die ihren Garten schon an den Sohn überschrieben hat, würde das Grundstück selbst jedenfalls nicht kaufen. „700 Euro pro Quadratmeter“, sagt sie. „Was man so hört...“

Auf einen Blick

Garten zu verkaufen. Die Bundesimmobiliengesellschaft verwaltet etwa 2000 Kleingärten auf einer Fläche von 600.000 m2. In ganz Wien gibt es mehr als 35.800 Schrebergärten. Der „Zentralverband der Kleingärtner und Siedler Österreichs“ pachtet bei verschiedenen Grundeigentümern und verpachtet die Parzellen dann an Einzelpersonen weiter. Kleingartenvereine verwalten die Schrebergartensiedlungen. Der Großteil der Kleingärten ist im Besitz der Stadt Wien, ein Teil ist im Besitz der BIG, ein kleiner Rest ist im Besitz der ÖBB und von Privaten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2011)

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