Sexualberater: Homophobie ist in Wien Alltag

Laut Studien sind Beleidigungen und gewalttätige Übergriffe in Wien allgegenwärtig. „Wien ist eine traditionell patriarchalisch geprägte Stadt, Homophobie“, sagt Johannes Wahala.

(c) EPA (Massimo Percossi)

Wien/Kb. Obwohl Wien laut Tourismusverband zu den europaweit attraktivsten Urlaubsdestinationen für Schwule und Lesben zählt, gehört homophobes Verhalten in all seinen Formen hierzulande immer noch zum Alltag.

„Wien ist eine traditionell patriarchalisch geprägte Stadt, Homophobie – also die Angst vor Homosexuellen – tritt hier häufiger auf als in vergleichbaren Städten“, sagt Johannes Wahala, Leiter der Sexualberatungsstelle „Courage“. Homosexuelle würden das gängige Männerbild der Gesellschaft radikal infrage stellen. „Das verunsichert heterosexuelle Männer in ihrem Selbstverständnis“, so der Therapeut am Montag bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Homophobe Gewalt“.

 

Homophober Sprachgebrauch

Auf dem Podium saß auch Wolfgang Wilhelm von der Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, der eine in Schulen in Bologna, Warschau, Madrid und Wien durchgeführte Studie präsentierte. Diese habe gezeigt, dass homophobe Beleidigungen in Wien besonders häufig vorkommen und Lehrer aus Unsicherheit oft nicht eingreifen.

Bekämpft werden kann Homophobie laut Barbara Zach vom Verein „Frauen beraten Frauen“ etwa durch einen selbstbewussteren Umgang mit Homosexualität. So habe ihr vor Kurzem ihr Neffe erzählt, dass ein Mitschüler ihm vorgehalten habe, seine Tante sei schwul. Woraufhin sie ihm geraten habe zu sagen: „Du bist blöd, bei Mädchen heißt das lesbisch.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2011)

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