Neuer Vorwurf in Tirol: Kind nach Propofol behindert

Die Innsbrucker Kinderklinik kommt nicht aus den Schlagzeilen. Elternverein-Sprecherin Gabriele Fischer will am Donnerstag ein Kind vorstellen, das seit einer Behandlung mit Propofol schwerstbehindert ist.

KINDERKLINIK INNSBRUCK
KINDERKLINIK INNSBRUCK
KINDERKLINIK INNSBRUCK – (c) APA/ROBERT PARIGGER (Robert Parigger)

Nach dem Tod der dreijährigen Azra in der Innsbrucker Kinderklinik sieht sich das Landeskrankenhaus erneut mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Gabriele Fischer, die Sprecherin des „Elternvereins Kinderklinik", möchte am Donnerstag in einer Pressekonferenz auf das Schicksal eines dreieinhalbjährigen Buben aufmerksam machen, der seit einer Routineoperation in der Innsbrucker Klinik schwerstbehindert ist. Auch in diesem Fall soll der falsche Umgang mit dem Narkosemittel Propofol der Grund für den Zustand des türkischstämmigen Kindes aus Südtirol sein.

„Ashraf hat sich mit neun Monaten einen Teil seiner Brust mit heißer Marmelade verbrannt", sagt Fischer im Gespräch mit der „Presse". „In der Folge wurde er einer Hauttransplantation unterzogen und meines Wissens für drei Wochen in künstlichen Tiefschlaf versetzt." Nach dem Aufwachen sei er nicht mehr derselbe gewesen. „Er ist geistig massiv eingeschränkt, hört extrem schlecht und kann kaum sehen", so Fischer.

Die Eltern hätten die Ärzte auf den Zustand des Buben aufmerksam gemacht und sie um eine Erklärung gebeten, seien aber abgewiesen und „für dumm erklärt" worden. Symptome dieser Art seien nicht ungewöhnlich und könnten Traumafolgen der Operation sein. „Bis sich die Klinik nach mehrmaligen Anfragen die Aussage entlocken ließ, das Kind habe an einer seltenen Stoffwechselerkrankung gelitten, die durch die Verabreichung von Propofol zum Ausbruch gekommen sei."

„Faule Ausreden"

Laut Fischer dieselben faulen Ausreden, die auch im Fall der vierjährigen Nadina zunächst benützt wurden. Auch sie ist seit einer Leistenbruchoperation vor dreieinhalb Jahren schwer behindert. Der Umgang mit eigenen Fehlern sei in der Innsbrucker Universitätsklinik skandalös, schuldhaftes Verhalten einzugestehen komme für sie nicht infrage.

Kliniksprecher Johannes Schwamberger teilte am Mittwoch mit, er könne aus Datenschutzgründen keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Die Klinikleitung wolle die Pressekonferenz am Donnerstag abwarten. Nur einen Punkt könne er klarstellen. Während der dreiwöchigen Sedierung auf der Intensivstation sei nachweislich kein Propofol verwendet worden. Für die Zeit während des operativen Eingriffs könne er das allerdings nicht ausschließen.

Führungsschwäche, Personalmangel?

„Diese Nachweise wollen die Eltern sehen, damit die Spekulationen endlich aufhören", sagt Fischer und holt zum Rundumschlag aus. „Die Klinik Innsbruck hat massive strukturelle Probleme, leidet an katastrophalem Personalmangel und einer eklatanten Führungsschwäche." Nicht zuletzt würde auch die Kommunikation zwischen den Stationen nicht funktionieren. Standards, die in jedem anderen vergleichbaren Krankenhaus seit Jahren gelten würden, hätten für Innsbruck keine Bedeutung. „Ich verlange eine externe, unabhängige Kontrolle der Geschehnisse, ansonst fordere ich nichts Geringeres als die vorläufige Schließung der Innsbrucker Kinderklinik - und zwar so lange, bis die gravierenden Probleme aufgehoben werden. Andernfalls haben wir hier in ein paar Monaten das nächste tote Kind."

Anschuldigungen, die Schwamberger als lächerlich zurückweist. Von einer Führungsschwäche und einem Kommunikationsproblem könne keine Rede sein. Und was den angeblichen Personalmangel angeht, habe die Klinik Innsbruck allein in den Jahren 2007 bis 2011 neue 50 Ärzte angestellt. Die Innsbrucker Universität habe in demselben Zeitraum niemanden angestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2011)

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