Frauen in der Polizei: „Es gibt noch viel zu tun"

Der Weg zur Gleichberechtigung ist noch weit, sagt eine Studie. Maßnahmen zur Frauenförderung sind unbeliebt, Männerstrukturen dominieren die Praxis.

DEMONSTRATION: �SCHUELERSTREIK� IN WIEN
DEMONSTRATION: �SCHUELERSTREIK� IN WIEN
(c) APA (Hans Klaus Techt)

Wien. „Frauen und Männer in der Polizei". So lautet eine breit angelegte Studie im Auftrag des Innenministeriums (BMI), die nun erstmals Einblick in die Arbeitswelt der heimischen Polizei aus genderrelevanter Sicht gibt. Die Ergebnisse wurden jetzt im von der Sicherheitsakademie herausgegebenen „Siak-Journal - Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis" publiziert. Für die Studie wurden in ganz Österreich 9680 Polizistinnen und Polizisten aller Ebenen befragt.

Und das sind die Hauptaussagen der von GfK Austria durchgeführten Untersuchung:

► In der Theorie setzt sich die Gleichberechtigung von den Polizeiinspektionen bis hinauf ins BMI zwar langsam durch, aber die „gelebte Praxis bleibt noch wesentlich länger hierarchisch zugunsten von Männern", wie GfK-Studienleiterin Angelika Kofler formuliert.

► Die Akzeptanz frauenfördernder Maßnahmen ist bei Männern unbeliebt. Am meisten lehnen Polizisten die aktive Förderung von Polizistinnen in Führungspositionen ab. Besonders negativ werden Förderprogramme für Frauen bei den Sondereinheiten Wega, Cobra, Alpin- und Flugpolizei gesehen.

► Frauen interessieren sich besonders für die Bereiche Prävention, Jugendarbeit und Kriminaldienst. Sensible Befragungen empfinden sie als interessanter als Männer.

► Aus der täglichen Praxis kristallisiert sich heraus, dass Männer öfter Situationen mit Waffengebrauch erleben, Frauen hingegen mit psychisch Kranken oder Personen, deren Zurechnungsfähigkeit durch Alkohol oder Drogen eingeschränkt ist, zu tun haben.

► Frauen empfinden Situationen mit Waffengebrauch als gefährlicher als Männer.

► Berufliche Veränderungen: Polizistinnen sind eher bereit, ihr Tätigkeitsfeld auf derselben Ebene zu verändern, männliche Polizisten streben nach höheren Posten.

► Gemeinsame Dienste mit Frauen sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen unbeliebt.

► Über die im BMI laufenden Gleichstellungsprogramme sind die männlichen Befragten besser informiert als die weiblichen.

Expertin Kofler kommt zu dem Schluss: „Es gibt noch immer viel zu tun." Dass Frauen als gleichwertige Beamte noch nicht im gesamten Polizeiapparat akzeptiert sind, zeigt auch der Kommentar eines Polizisten, der auf seinem Fragebogen anmerkte: „Grundsätzlich haben Frauen bei der Polizei nichts verloren."

In Österreich gibt es seit 1991 „richtige" Polizistinnen. Zuvor hatten seit 1971 Politessen für die Überwachung des ruhenden Verkehrs gesorgt.

Neben zahlreichen Unterschieden zeigt die Befragung aber auch Gemeinsamkeiten: Die Führungskultur im BMI wird von Frauen und Männern generell als wenig hilfreich empfunden. 70 Prozent aller Befragten glauben nicht, dass die Fähigsten befördert werden. Polizistinnen und Polizisten finden den Kriminaldienst besonders interessant, administrative Schreibtischtätigkeit und Rückführungen sind enorm unbeliebt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 4. Jänner 2012)

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