Innsbruck: "Dramatische Engpässe" in Kinderklinik

Die "Elternplattform Kinderklinik" kritisiert in Innsbruck, dass die Ärzte die intensivmedizinische Betreuung von Kindern "nicht mehr garantieren können". Der Spitalsbetreiber will den Personalmangel behoben haben.

ARCHIVBILD: KINDERKLINIK INNSBRUCK
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(c) APA/ROBERT PARIGGER (Robert Parigger)

Die Innsbrucker Kinderklinik kommt nicht aus den Schlagzeilen. Am Mittwoch kritisierte die "Elternplattform Kinderklinik" die "dramatischen Versorgungsengpässe" aufgrund von Personalmangel. Dies gehe aus einem Ende Dezember 2011 verschickten Schreiben der Abteilungsleiter der Kinderklinik an den landeseigenen Tiroler Krankenanstaltenbetreiber Tilak hervor, erklärte Plattform-Sprecherin Gabriele Fischer bei einer Pressekonferenz. Im vergangenen Jahr waren mehrere Fälle von angeblichen Behandlungsfehlern an der Klinik bekannt geworden.

"Das ist ein wilder Hilfeschrei. Die Ärzte bringen zum Ausdruck, dass sie die intensivmedizinische Betreuung der Tiroler Kinder nicht mehr garantieren können", sagte Fischer, die eine Kopie dieses Ärzteschreibens präsentierte.

Intensivstation voll belegt

Besonders betroffen sei die Pädiatrische Intensivstation. Man habe "derzeit keine Möglichkeit, zusätzliche Patienten aufzunehmen". "Es kann zu Absagen von geplanten Eingriffen kommen bzw. es müssen dringliche Patienten möglicherweise an andere Kliniken weitergeleitet werden", lautet eine Passage in dem von vier Ärzten unterfertigten Schriftsatz an den stellvertretenden Ärztlichen Direktor.

Zwei Intensivbetten seien aus Mangel an Pflegepersonal längerfristig gesperrt, führten die Mediziner weiters aus. Bei derzeit "offiziell sechs Intensivbetten" seien sieben schwer kranke Patienten stationär aufhältig, hieß es. Die Ärzte erklärten außerdem, dass sie sich bemühten, "alle Möglichkeiten der internen Verlegung auszuschöpfen".

Die Tilak führt die Maßnahme auf Personalmangel im Pflegebereich zurück: Zwar seien die meisten Stellen inzwischen nachbesetzt, die zwei weggefallenen Betten würden aber erst wieder geöffnet, wenn die Einarbeitungszeit der neuen Mitarbeiter abgeschlossen sei.

Kritik an "politischer Untätigkeit"

Fischer kritisierte, dass eine Abteilung der Kinderklinik, die "Intermediate Care Unit", wegen Personalmangels überhaupt geschlossen worden sei. "Das Schreiben ist auch ein Dokument der politischen Untätigkeit von Landesrat Bernhard Tilg", sagte die Elternplattform-Sprecherin. Dieser solle nun rasch den Zeitpunkt nennen, ab dem es an der Kinderklinik keine personellen Engpässe mehr geben werde. Schließlich habe es bereits im November 2011 eine Entschließung des Tiroler Landtages gegeben, bei der die Landesregierung aufgefordert wurde, den Personalstand zu erhöhen.

Tilg verwies am Mittwoch auf die mit den Verantwortlichen der Tilak und der Medizin-Universität in den vergangenen Wochen ausgearbeitete Umstrukturierung der Kinderklinik. An dieser müsse jetzt "konsequent" gearbeitet werden. "Eines muss aber klar sein, die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte lassen sich nicht innerhalb von Wochen und Monaten beseitigen", erklärte Tilg in einer Stellungnahme.

(APA)

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