"Kältester Winter seit 50 Jahren": Italien setzt Militär ein

Über 400 Soldaten sind im Einsatz, um Schnee zu räumen. Die Kältewelle in Italien forderte bisher zehn Todesopfer, 85.000 Menschen sind ohne Strom.

Kaeltewelle Italien setzt Militaer
Kaeltewelle Italien setzt Militaer
Symbolbild – (c) AP (Helen H. Richardson)

Gegen die Kältewelle, die Italien seit Tagen im Griff hält, setzt die Regierung in Rom das Militär ein. Über 400 Soldaten waren am Sonntag in mehreren italienischen Regionen im Einsatz, um Schnee zu räumen. An den Hilfsmaßnahmen nach dem Wintereinbruch in Italien beteiligen sich auch Helfer aus Südtirol. Am Sonntag startete ein Hilfszug der Berufsfeuerwehr Bozen in Richtung Mittelitalien. Abkommandiert wurden elf Mann mit insgesamt zehn Fahrzeugen. Ziel war die Region Marchen, sowie die Region Emiglia Romagna.

Die Kälte hat am Wochenende mindestens zehn Todesopfer gefordert. Am Sonntag wurde ein Obdachloser in einem Park in Ostia bei Rom tot aufgefunden. In der Nähe war am Samstag bereits eine 48-jährige obdachlose Ukrainerin ums Leben gekommen. Ein 50-Jähriger erlag unweit der süditalienischen Stadt Avellino einem Herzinfarkt, während er Schnee vor seinem Haus schaufelte. In Avellino war am Samstag bereits eine 46-Jährige gestorben, nachdem ein Glashaus, in dem sie arbeitete, unter dem Druck des Schnees einstürzte, berichteten italienische Medien am Sonntag.

Wegen des heftigen Schnees kam es zu Stromausfällen in mehreren Teilen des Landes. Mindestens 85.000 Menschen mussten in Mittel- und Süditalien ohne Strom ausharren. Innenministerin Annamaria Cancellieri appellierte indes an die Italiener, auf das Auto zu verzichten und zu Hause zu bleiben. Die Kältewelle in Italien forderte bisher acht Todesopfer.

Kältester Winter seit 50 Jahren

Heftige Schneefälle wurden am Sonntag in der Lombardei und in mehreren norditalienischen Regionen gemeldet. Eine Besserung der Lage war vorerst nicht in Sicht. Die Wetterexperten rechneten mit weiteren Schneefällen bis Montag. Laut dem Meteorologen Sergio Brivio hat Italien in den vergangenen 50 Jahren noch nie einen derart kalten Winter erlebt.

Der Bahnverkehr kam am Samstag auf der Apenninstrecke zwischen Bologna und Florenz zum Erliegen. Unweit von Bologna mussten die Passagiere eines Hochgeschwindigkeitszuges drei Stunden lang warten, bevor sie den Bahnhof erreichen konnten. In Bologna fiel in wenigen Stunden ein Meter Schnee. Auch im Flugverkehr wurden erhebliche Probleme gemeldet. Dutzende von Flügen mussten in ganz Italien gestrichen werden. Auf dem römischen Flughafen Fiumicino kam es zu heftigen Protesten von Passagieren, nachdem wegen der Wetterlage zwei Ryanair-Flüge nach Frankfurt und Eindhoven nicht starten konnten.

Chaos in Rom

Zu chaotischen Zuständen kam es in Rom, nachdem ein heftiger Schneefall am Freitag und in der Nacht auf Samstag die Ewige Stadt lahmgelegt hatte. Hunderte Autofahrer blieben am Samstag stundenlang auf der großen Stadtumfahrung GRA stecken, auf der einige Fahrzeuge Unfälle gebaut hatten. Wegen vereister Strecken mussten in Rom mehrere Straßen geschlossen werden. Der Verkehr wurde vor allem in der Innenstadt teilweise lahmgelegt. In der ganzem Stadt waren Taxis unauffindbar.

Forum Romanum – (c) AP/Andrew Medichini

Begeisterte Touristen bewunderten die Weiße Pracht und fotografierten eifrig den Schnee über der Spanischen Treppe, dem Trevi-Brunnen und der Piazza Navona. Kolosseum, Forum Romanum, der Palatinshügel und andere archäologische Stätten blieben geschlossen. Auch der Petersplatz war vollkommen verschneit.

Zu öffentlichen Auseinandersetzungen kam es zwischen dem römischen Bürgermeister Gianni Alemanno und Zivilschutzchef Franco Gabrielli. Die Stadt habe unvorbereitet reagiert, obwohl der heftige Schneefall schon vor Tagen angekündigt worden war, protestierte Gabrielli. Der Bürgermeister erwiderte, die Meteorologen hätten nicht einen derart starken Schnee vorhergesagt. Am Montag bleiben in Rom Schulen und öffentliche Ämter geschlossen.

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(APA)

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