Jedes dritte Spital nimmt Leiharbeiter

Rund 1000 Personen sind in Österreich im Gesundheitsbereich als Zeitarbeiter tätig. Grund dafür sind zunehmender Personalmangel und Budgetengpässe. Schlechtem Image der Zeitarbeitsbranche will man entgegenwirken.

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wien. Die Zeitarbeitsbranche ist derzeit ein heiß umkämpfter Markt. Rund 80.000 Leiharbeiter gibt es derzeit in Österreich. Die meisten von ihnen kommen in der Metall-, der Autoindustrie und in der Baubranche zum Einsatz. Aber auch das Gesundheitswesen sucht sein Heil zunehmend in temporär geliehenen Arbeitskräften.
Der WKÖ-Spartenobmann für Zeitarbeit und Chef des Personaldienstleisters Medicare, Gerhard Flenreiss, schätzt die Gesamtzahl der in Österreich im Gesundheitsbereich tätigen Zeitarbeiter derzeit auf 1000. „Wir arbeiten gerade an einer detaillierten Erhebung.“ Wie viele davon von seinem eigenen Personaldienstleister Medicare vermittelt werden, will Flenreiss aber nicht verraten.

Die Konkurrenz, die Zeitarbeitsfirma Medixpert, hat beim Meinungsforschungsinstitut Karmasin eine Umfrage in Auftrag gegeben, um den Bedarf an Zeitarbeitern in Spitälern, Heimen und mobilen Pflegediensten zu ermitteln. Der Erhebung zufolge greift bereits ein Drittel der insgesamt 1134 österreichischen Gesundheitseinrichtungen auf Zeitarbeiter zurück. Dabei sind mit 78 Prozent mit Abstand die Pflegeberufe am meisten gefragt, gefolgt von zehn Prozent medizinisch-technischen Mitarbeitern und nur zwei Prozent Ärzten.

Chronisch überlastet

Die Gründe für den Rückgriff auf temporäre Arbeitskräfte: Geld- und Personalmangel. 79 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass der Personalbedarf in den nächsten zehn Jahren bei Pflegeberufen weiter ansteigen wird. Die chronische Überlastung des fest angestellten Pflegepersonals führt der Leiterin von Medixpert, Evelyn Weismüller, zufolge vermehrt zu Krankenständen. Die müssten dann wieder durch Überstunden ausgeglichen werden: „Das kommt dem Arbeitgeber teurer als die Beschäftigung eines Zeitarbeiters.“ Außerdem gebe es auch im Spitalbetrieb temporäre Bedarfsspitzen, etwa bei Grippewellen oder in der Urlaubszeit, die am besten mit kurzfristig einsetzbaren und wieder kündbaren Arbeitskräften ausgeglichen werden können.

Dem schlechten Image der Zeitarbeitsbranche will Medixpert entgegenwirken. Die Zeitarbeiter sind bei diesem Personaldienstleister fest angestellt, und das Gehalt liegt fünf Prozent über dem bestehenden Kollektivvertrag. Bezahlt werden die Mitarbeiter auch in Stehzeiten zwischen zwei Arbeitseinsätzen. „Die kommen aber so gut wie gar nicht vor, weil der Bedarf so groß ist“, sagt Weismüller. Bei der derzeitigen Knappheit im Pflegebereich könnten sich viele ihren Arbeitgeber aussuchen. Manche wollen sich aber noch nicht festlegen und sehen die unterschiedlichen Einsatzgebiete und die Flexibilität, die Zeitarbeit fordert, nicht als Stressfaktor.

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