Porträt: Exportislamist auf Wanderschaft

In Österreich saß Mohamed M. vier Jahre im Gefängnis, seine Karriere als radikaler Moslemführer in Deutschland endete mit seiner Ausweisung. Nun soll M. bereits nach Kairo geflogen sein.

Portraet Exportislamist Wanderschaft
Portraet Exportislamist Wanderschaft
Mohamed – (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Niemand mag mich. Diese Anklage vermeint man jedes Mal von seinem Gesicht abzulesen, sobald Mohamed M. zu reden beginnt. Dabei sei er ja nur ein Moslem, der Allahs Wort befolgen will. Doch die Attitüde des Gläubigen, der von allen zu Unrecht angefeindet wird, weicht bald einem angriffigen Ton. Da wird Osama bin Laden schnell einmal zum Helden, der es als Einziger in der arabischen Welt wagte, Nein zu Amerika zu sagen. Und da erzählt er stolz, dass das Wort „töten“ im Koran 128 Mal vorkomme, „davon 27 Mal in Befehlsform“.

Gerade einmal sieben Monate sind vergangen, seit der 26-Jährige die Justizanstalt Wien-Josefstadt verlassen durfte, wo er wegen Bildung und Förderung einer terroristischen Vereinigung vier Jahre in Haft saß. Unter anderem wegen Drohvideos gegen Österreich und Deutschland war er verurteilt worden. Auch vor diesen Aktionen war er immer wieder aktiv an die Medien herangetreten, um seine Sicht des Islam unter das Volk zu bringen – und dabei meist abgeblitzt, kaum ein Medium wollte ihm und seinen Thesen Bedeutung zumessen. Erst, als er plötzlich vor Gericht stand, hatte er die Aufmerksamkeit, nach der er gegiert hatte. Als „Austro-Islamist“ wurde er bezeichnet, aber auch spöttische Beinamen wie „Kinderzimmer-Dschihadist“ waren zu hören – weil sein Zimmer in der elterlichen Wohnung die Kommandozentrale für seine Umtriebe gewesen war.

Keine Läuterung in Haft. Die Hoffnung, dass ihn die Zeit im Gefängnis läutern würde, erfüllte sich indes nicht. Schon wenige Tage nach seiner Entlassung tauchten Videos im Internet auf, in denen M. zum Kampf gegen Ungläubige aufrief. Doch im Gegensatz zu früher wollte er darüber nicht mehr mit Medienvertretern sprechen. Sondern nur mehr mit Seinesgleichen. Sein Sprachrohr war nun das Internet. Auf technisch aufwendig gestalteten Seiten verkündete er gemeinsam mit extremistischen Glaubensbrüdern seine Predigten, unterlegt mit islamischen Gesängen und pathetischen Bildern. Und auch seinen Namen legte er ab – und trat fortan unter dem Pseudonym Abu Usama al-Gharib auf.

Aber nicht nur das. Weil er sich in Österreich verfolgt fühlte, zog er im Herbst 2011 nach Deutschland. Berlin war die erste Station, wo er mit Größen der salafistischen Szene zusammenfand. Bald zog er nach Solingen um, wo er in der Millatu-Ibrahim-Moschee predigte. Aber auch dort regte sich in der Bevölkerung Widerstand – und M. wanderte weiter. Diesmal ließ er sich in Erbach im Bundesland Hessen nieder. Doch auch wenn sein Wohnort wechselte, seine Gesinnung blieb dieselbe. Und so wetterte er weiter gegen die Kuffar, die Ungläubigen.

Vermutlich hätte er das noch lange machen können, ohne größeres Aufsehen zu erregen. Doch als Mitte April seine salafistischen Glaubensbrüder rund um den Kölner Prediger Ibrahim Abu Nagie die Aktion „Lies!“ starteten, bei der sie 25 Millionen Exemplare des Koran gratis verteilen wollten, rückte er wieder ins Rampenlicht. Und auch seine politischen Ziele. „Wir werden Rom erobern“, rief er in einem Video. „Und dann wird der Petersplatz, oder wie das heißt, das wird inshallah der Platz der Konvertierung sein.“

Die nächste Station. Den Deutschen platzte der Kragen. Und der hessische Innenminister Boris Rhein verwies den Wiener vergangenen Donnerstag des Landes. Weil er „mit erheblicher Intensität zu Gewalttaten aufruft“ und die „öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland gefährdet.“ Von einer Abschiebung nach Österreich innerhalb eines Monats war die Rede. Hier zeigte man sich zwar alles andere als erfreut, allein – verhindern können hätte man die Rückkehr des Austro-Islamisten nicht. Umso größer schien die Erleichterung im Land, als am Freitag die Meldung auftauchte, dass M. bereits nach Kairo geflogen sei. Ägypten, ein Land, in dem die Salafisten bei der letzten Wahl fast 25 Prozent der Stimmen erreichten. Vielleicht kommt M. ja hier zur Ruhe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2012)

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