Der „Lendwirbel“ sorgt für Wirbel in Graz

Zum bereits fünften Mal verwandelt ein Straßenfest in der steirischen Hauptstadt Straßen und Plätze in Bühnen. Basisdemokratisch organisiert und heuer zum ersten Mal zehn Tage lang.

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Graz. Mit einem rituellen Straßenkehren wurde gestern, Freitag, der „Lendwirbel“ eröffnet. „Aufbruch ins Wesentliche“ lautet das Motto des Straßenfestivals im vierten Bezirk von Graz. Auf der rechten Murseite, in unmittelbarer Nähe des Kunsthauses, gibt es bis 13. Mai vieles zu sehen: Konzerte, Performance-Kunst, Diskussionsrunden, Frühstückstreffen – besonders hervorzuheben ist der Schlagergarten Gloria heute, Samstag (13 Uhr), im Volksgarten.

Zwischen Lend- und Südtirolerplatz spielen sich in den kommenden Tagen über 80 MusikActs und über 150 Kunstaktionen im öffentlichen Raum ab. Diesen gilt es wieder zurückzugewinnen und für alle zugänglich zu machen. Geht es nach dem Organisationskomitee soll der „Lendwirbel“ vieles sein. Im besten Fall sollte jeder Besucher und Aktive etwas anderes in ihm sehen. Zu zweierlei soll das Grätzelfest aber niemals werden: einer Institution. Und einem Event.

 

Rahmen für freie Kreative

Wenn man die Blockparty unbedingt benennen müsse, dann solle man doch bitte von einem freien, kreativen Netzwerk sprechen. „Der ,Lendwirbel‘ soll einen Rahmen schaffen für all jene, die sich kreativ im öffentlichen Raum betätigen wollen“, sagt jene junge Frau, bei der die Fäden zusammenlaufen. Sie will ihren Namen nicht nennen, wie auch die anderen Mitglieder des Organisationskomitees anonym bleiben wollen. „Wir bieten nur die Struktur, jeder, der mitmacht, ist Teil des ,Lendwirbels‘.“

Und mitmachen kann jeder, egal, wie alt oder jung, egal, ob man schon einmal kreativ tätig war oder nicht. Man muss nur sein Projekt auf www.ilend.at registrieren. Dabei gehe es nicht um die Kontrolle der Projekte: „Wir wollen gar nicht den kompletten Überblick behalten.“ Verantwortlich ist jeder selbst für sein Projekt. Fünf Vernetzungstreffen hat es gegeben, um gemeinsam die wichtigsten Dinge zu entscheiden oder die unterschiedlichen Projekte zu besprechen. Und obwohl der „Lendwirbel“ keine Institution sein will, gibt es eine Frau, die für die Finanzen zuständig ist. Sie nennt sich Schottergrube. „Weil für einen Schatzmeistertitel ist unser Budget zu klein.“

Der „Lendwirbel“ ist sehr schnell gewachsen: von einem Ein-Abend-Fest vor fünf Jahren zu einem Zehn-Tages-Straßenfestival. 2013 wird es den „Lendwirbel“ in dieser Form nicht mehr geben. „Unsere Vision ist, dass es diesen Rahmen nicht mehr braucht. Wir hoffen, dass die Menschen von sich aus aktiv werden und Anfang Mai etwas auf die Beine stellen“, sagt ein Komiteemitglied.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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