Donaukanal: Nicht alle Träume werden wahr

Am Donaukanal soll es gemütlich werden. Mit Wiesen, Buchten und neuen Stadtmöbeln zum Beispiel. Sieben neue Brücken oder ein Golfplatz über dem Kanal? Die exzentrischeren Projekte sind längst verworfen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Die Ufer des Kanals, ein verrufenes, düsteres Terrain? Die Tage sind vergessen. Der Donaukanal ist, zumindest zwischen Augartenbrücke und Urania, ein Hotspot Wiens. An diesem Wochenende findet an den Unfern das jährliche Donaukanaltreiben statt (siehe Infobox). Die Strandbars, das Badeschiff oder der Schiffsterminal gehören fix zum Inventar der Stadt. Nur die Zeit, in der pausenlos Bars eröffnen und von riesigen Bauwerken geträumt wird, scheint vorbei.

Eher plant die Stadt heute mehr Freiräume und Grünflächen. Derzeit sind zahlreiche Projekte in der Pipeline: Am offensichtlichsten ist der Handlungsbedarf derzeit bei der Buho Verde, dem im Jänner abgebrannten und vom insolventen Besitzer nie entsorgten Partyschiff. „Ein Investor will das übernehmen und das Areal an der Salztorbrückebeleben, eine Entscheidung wird demnächst fallen“, sagt Bernhard Engleder, Donaukanal-Koordinator der Stadt. Vorgesehen sind eine Anlegestelle für Motorboote, Gastronomie, ein Lift und Terrassen. Diese Fläche und die Zone unter der Marienbrücke auf der Seite des zweiten Bezirks seien die einzigen neuen Gastrozonen, die noch vorgesehen sind.

Die Tendenz geht hin zu mehr Freiräumen, die Stadtplaner sprechen von „Ermöglichungszonen“. „Heuer geht es um grundsätzliche Überlegungen: die einheitliche Gestaltung, Stadtmöbel, die Corporate Identity“, so Engleder. Das Wasser soll leichter zugänglich werden, mit neuen Stiegenabgängen oder schwimmenden Elementen, die aufs Wasser hinausreichen. Derzeit arbeitet die Architektin Gabu Heindl im Auftrag der Stadt an einem Konzept, das im Herbst vorliegen soll. Das eine oder andere Projekt werde schon nächsten Sommer umgesetzt sein.

Ans Wasser, aber nicht ins Wasser, so lautet das Konzept. Zum Baden ist die Wasserqualität zu schlecht, die Strömung zu schnell. „Verboten ist das Baden aber nicht“, sagt Engleder. Nur Badeplätze nach EU-Norm seien nicht möglich. Er spricht von Liegewiesen, Plätzen, die zum Verweilen einladen. Die Ufer sollen umgestaltet werden. Ein flussnaher Fußweg, ein Radweg weiter oben und Buchten, in denen das Wasser steht und warm wird, seien angedacht. Möglich wäre das im zweiten Bezirk südlich der Franzensbrücke oder an den Ufern des 19. und 20.Bezirks. „Die Planung könnten wir in zwei, drei Jahren abschließen.“ Ebenfalls in ein paar Jahren, frühestens 2015, soll eine (für Schiffe aufklappbare) Rad- und Fußgängerbrücke über den Wienfluss an dessen Mündung gebaut werden. Der politische Wille ist da, Engleder spricht aber von einem „Projekt auf Vorrat“. Früher schon könnten Bootstaxis ihren Betrieb aufnehmen. Am Wochenende des Kanaltreibens sind die gelben Boote unterwegs; um dauerhaft in Betrieb zu gehen, müssten sich die potenziellen Betreiber, zehn bis 14 Gastronomen, einigen. Die Stadt würde mitfinanzieren. Steht ein Konzept, könnte der Betrieb in wenigen Wochen starten, sagt Engleder. Vielleicht heuer? Oder nie?

Sicher noch heuer kommt, so heißt es, das Hotelprojekt der Badeschiffbetreiber neben dem Adria Wien. Wie genau dieMinilofts aussehen werden, sei noch nicht klar, sagt Geschäftsführer Günther Hofgartner. „Es geht noch um Genehmigungen, aber auch um die künstlerische Gestaltung, darum, wie wir die Lofts bespielen.“ Neues gibt es demnächst auch stromaufwärts: Bei der Friedensbrücke kommt eine Hundezone,wie der Bezirk entschieden hat. Für die geplante Kletteranlage bleibt kein Platz.

 

Die Riesenprojekte liegen ad acta

Hundezonen und Grünflächen statt neuer Bars, Entspannung statt Konsumzwang, so sollen sich die Ufer entwickeln. „Die Belebung haben wir erreicht, jetzt sollten wir schauen, dass es eine gute Durchmischung gibt“, sagt Kanal-Koordinator Engleder.

Noch vor sechs, sieben Jahren waren die Träume für den Donaukanal groß, zu groß für die Stadt. So wurde zum Beispiel nichts aus der sogenannten Trialto-Brücke zwischen Schweden- und Marienplatz. Angedacht war dort ein Netz aus sieben ineinandergreifenden Brücken, auf denen Pavillons mit Geschäften und Restaurants stehen sollten. Das Projekt wurde als überdimensioniert abgelehnt. Auch um eine Lightversion wurde es still, derzeit ist eine neue Brücke dort kein Thema, sagt Engleder.

Nicht minder exzentrisch als sieben Brücken mutete einst die Idee Hole in one an. Ein Golfplatz mit 36 Abschlagplätzen, der stromabwärts, nach der Urania, auf einer 15 Meter breiten, zweistöckigen Brücke entstehen sollte. Die Investorin und die Stadt konnten sich aber nicht einigen, auch der Widerstand der Bezirke war groß, das Projekt wurde ad acta gelegt. Ebenfalls ein wenig zu groß für die schmale Wasserstraße war der Stadt ein geplantes Hotelschiff. Rentabel, so Engleder, sei ein solches erst ab 100 Betten. „Das wäre ein dreistöckiges Schiff, das alles dominieren würde. Da hat die Stadt Nein gesagt.“ Nicht am politischen Nein, sondern am fehlenden Geld bzw. an einer fehlenden Anlegestelle gescheitert ist ein Kulturschiff, das am Hermannpark anlegen sollte. Auch ein geplantes Wellnessschiff auf Höhe des Ringturms ist nie eingelaufen. „Es gab konkrete Pläne, der Investor hat aber nie ein Projekt eingereicht, dann hat es sich verlaufen“, erzählt Engleder. Eines Tages könnte so ein Schiff aber doch noch vor Anker gehen. Oder auch nicht.

Programm

Das Donaukanaltreiben findet heuer schon zum sechsten Mal statt. Am Samstag kann man bei der Hauptbühne an der Salztorbrücke unter anderem Salsa lernen, am Abend treten dort Giantree und Ginga auf. Bei der Strandbar Herrmann covert am Abend Hannes Duscher Johnny Cash, an der Adria Wien spielt das bayerische Quartett Django 3000. Der Sonntag startet gemütlich mit Yoga und Jazzbrunch in der Strandbar Herrmann, einem Frühschoppen beim Schützenhausoder Kinderprogramm am City Beach. Bei der Adria liest Dirk Stermann. Auf der Hauptbühne klingt das Kanaltreiben mit 5/8erl in Ehrn und Christoph & Lollo aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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