Caritas: Verstärktes Engagement in Stadtteilen

Interview. Die Ex-Grünpolitikerin Sabine Gretner will als Leiterin der „Gemeinwesenarbeit“ neue Akzente setzen.

Wien. Die Wiener Caritas weitet ihren Aufgabenbereich aus. Neben den klassischen Tätigkeiten wie Armutsbekämpfung und direkter Hilfe für Menschen in Not wird verstärkt das gute Zusammenleben und das soziale Engagement in der Gemeinschaft gefördert. Daher baut die Caritas auch den Bereich Gemeinwesenarbeit als Schwerpunkt aus. Und als Bereichsleiter hat sich Caritas-Chef Michael Landau dafür die frühere Wiener Grün-Politikerin Sabine Gretner geholt. Die studierte Architektin ist jahrelang aktive Oppositionspolitikerin und zuletzt Schatten-Planungssprecherin in der rot-grünen Koalition gewesen. Im vergangenen Herbst hat sie ihre politischen Funktionen zurückgelegt und ist aus der Rathaus-Politik ausgeschieden.

Diesen doch sehr radikalen Jobwechsel begründet Gretner, die bei ihrem Abgang durch ihre Kritik an der Rathaus-Bürokratie noch Wirbel ausgelöst hatte, mit „neuen Herausforderungen“. Und mit einigen Arbeitsfeldern in ihrer neuen Abteilung – wie etwa der verstärkten Stadtteilarbeit – gebe es ohnehin Verbindungen zu ihren früheren Stadtplanungsthemen.

Und was sind die neuen Schwerpunkte? „Bei der Stadtteilarbeit geht es etwa darum, gemeinsam mit den Bewohnern eines Stadtteils ein Miteinander aufzubauen“, sagt Gretner. So werde etwa versucht, bei geförderten Neubauten mehr Sozialaspekte zu berücksichtigen. Ein Beispiel dafür sei die Oase 22, wo die Caritas in einer geförderten Wohnanlage in der Donaustadt ein Pflegeheim einrichtet, womit ein Wohnpark für alle Generationen entstehen soll. Soziale Nachhaltigkeit im geförderten Wohnbau sei wichtig, sagt Gretner, die in dem Bereich verstärkt mit Bauträgern zusammenarbeiten will.


Keine Generation der Egoisten

Über die „YoungCaritas“ werden wiederum verstärkt Junge angesprochen. So steht etwa in den Wiener Gürtelbögen das Bauprojekt „Action Fabrik“ kurz vor Vollendung. Sie soll eine Plattform und Anlaufstelle für engagierte Kinder und Jugendliche sein. Ihnen wird von der Caritas ein multifunktionaler Raum zur Verfügung gestellt, wo sie sich etwa in Vorträgen mit sozialen Themen vertraut machen und selbst in diesen Bereichen aktiv werden können.

Ein anderes Beispiel ist das „LaufWunder“, das in den vergangenen Wochen – ebenfalls von der YoungCaritas Wien organisiert – über die Bühne ging. Fast 6000 Schüler wurden dabei motiviert, an diversen Laufveranstaltungen teilzunehmen, um Geld für soziale Projekte zu sammeln. Für Caritas-Chef Michael Landau war dies jedenfalls ein Beweis, dass „die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen sehr wohl für ihre Mitmenschen eintreten“; die heutige Jugend sei also keineswegs eine Generation der Egoisten, wie Studien oft suggerierten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2012)

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