Rauchverbot: Grüne kritisieren Gleichgültigkeit Stögers

Für Glawischnig ist Zaudern des Gesundheitsministers beim Rauchverbot nur eine Farce. Immerhin gebe es hierzulande zu viele junge Raucher.

Eva Glawischnig
Eva Glawischnig
(c) APA/MARKUS LEODOLTER (Markus Leodolter)

WIEN. Eva Glawischnig kann die Gleichgültigkeit der Regierung nicht fassen. Auf eine Anfrageserie der Grünen, die sich mit dem Faktum beschäftigt, dass Österreich die meisten und auch die jüngsten Raucher weltweit hat, hätten Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und Jugendminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) mit wenig Änderungselan reagiert. Bundeskanzler Werner Faymann verwies überhaupt nur lapidar darauf, nicht zuständig zu sein. Besonders verwundert ist die grüne Parteichefin über den Gesundheitsminister: „Stöger kann da nicht einfach durchtauchen, auch wenn er das glaubt.“

Den Unmut der Grünen zog sich Stöger vor allem mit Antworten wie den folgenden zu: Jugendliche würden immer früher körperlich reif, seien in ihrem Verhalten selbstständiger und verhielten sich immer früher wie Erwachsene. Und weiter: „Das Konsumverhalten ist, gerade bei Jugendlichen, nicht leicht zu beeinflussen.“ Versuche, darauf Einfluss zu nehmen, könnten leicht kontraproduktiv wirken und eine Protesthaltung auslösen.

Das kann doch wohl nicht die einzige Reaktion des Gesundheitsministers darauf sein, dass bei uns schon Neunjährige rauchen und das durchschnittliche Raucher-Einstiegsalter bei elf Jahren liegt – findet jedenfalls Glawischnig.

Genauso sei es zu wenig, dass Stöger und Mitterlehner in großkoalitionärer Einigkeit das Fehlen eines österreichweit einheitlichen Jugendschutzgesetzes beklagen und auf die föderalen Strukturen verweisen. „Warum tun sie nichts dagegen?“, fragt sich Glawischnig. Die Grünen werden jedenfalls in der nächsten Parlamentssitzung Ende Februar aktiv und bringen einen Antrag auf ein absolutes Rauchverbot in Lokalen ein. „Worauf will Stöger noch warten? Das halbherzige Verbot hat nicht gewirkt“, so Glawischnig. Den Österreichern sei ein generelles Verbot durchaus zuzumuten. „Sie kennen es ja aus dem Urlaub – aus den meisten anderen Ländern.“

Reine Gewöhnungssache

Außerdem würden die Leute bald daran Gefallen finden, dass nach Lokalbesuchen am Abend nicht die gesamte Garderobe zur Wäsche muss. Und im Übrigen: Werden die Österreicher nicht bald aktiv, würde das bald die EU für sie übernehmen. Und dann ist es nicht nur mit dem Rauchen in Lokalen, sondern auch in Schulhöfen vorbei – für Lehrer wie für Schüler. Dass Schulen autonom entscheiden können, ob sie das Rauchen erlauben, hält Glawischnig für absolut nicht zeitgemäß.

Übrigens: Parade-Raucher Alexander Van der Bellen steht zur neuen Linie seiner Nachfolgerin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2010)

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