Zigaretten: "Steuer werden die Raucher tragen"

Im nächsten Jahr wird die Tabaksteuer um bis zu 35 Cent pro Packung angehoben: einmal zu Beginn und einmal Mitte 2011. Das wird vor allem die Kunden treffen, sagt Imperial-Tobacco-Österreich-Chef Jörg Glasenapp.

(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Wien. Einheitspackungen, Präsentierverbot, größere Warnhinweise und am besten ein Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen: Ginge es allein nach EU-Gesundheitskommissar John Dalli, wäre Europa in absehbarer Zeit rauchfrei. Sein Ziel eines weitgehend flächendeckenden Rauchverbots ist erst in wenigen EU-Ländern realisiert – aber auch in Österreich gelten seit 2010 strengere Vorschriften. Wer der Zigarette trotzdem treu bleibt, der muss für das kommende Jahr sein Budget aufstocken. Denn die Erhöhung der Tabaksteuer ist beschlossene Sache.

Sie wird in zwei Schritten angehoben: einmal zu Beginn und einmal Mitte 2011, insgesamt um bis zu 35 Cent pro Packung. Und diese Mehrkosten werden die Tabakfirmen wohl nicht allein tragen: „Ich gehe davon aus, dass die Steuererhöhung am Ende von den Rauchern getragen wird“, sagt Jörg Glasenapp, Geschäftsführer von Imperial Tobacco Österreich. Das britische Unternehmen, in Österreich unter anderem vertreten durch die Marken Gauloises, Davidoff und West, hat bereits im Dezember die Preise für die meisten seiner Marken um zehn bis 20 Cent angehoben. Für den Konzern ist das die Schmerzgrenze: „Ab einem Preisschritt von 20 Cent reagiert der Konsument. Nämlich in der Regel damit, dass er sich mit Schmuggelzigaretten versorgt.“

Die Sorge, der Schmuggel könnte den Umsatz wegfressen, teilt die Tabakindustrie mit den Trafikanten. Zwischen 15 und 17 Prozent der in Österreich gerauchten Zigaretten stammen laut Wirtschaftskammer vom Schwarzmarkt. Jede Preiserhöhung von über 20 Cent je Packung würde den Schmuggel weiter anheizen, heißt es aus der Sparte der Trafikanten.

 

„Packung verführt niemanden“

Der Schmuggel ist aber nicht das einzige Problem der Tabakindustrie. Kürzlich ging ein EU-weites öffentliches Konsultationsverfahren zum Thema Warnhinweise auf Zigarettenpackungen zu Ende. Darin wurden Warnhinweise in einer Größe von bis zu 100 Prozent der Fläche einer Zigarettenpackung erwogen.

In der EU wird auch diskutiert, Einheitspackungen einzuführen, auf denen Markennamen nur noch in standardisierter Schrift aufscheinen dürfen. Auch über ein Präsentierverbot von Zigaretten in Trafiken wird nachgedacht. Damit kann Imperial-Tobacco-Chef Glasenapp freilich nichts anfangen – auch nicht unter dem Gesichtspunkt des Jugendschutzes: „Die Packung allein verführt niemanden zum Rauchen, sondern höchstens den Raucher dazu, von einer Marke auf die andere umzusteigen.“ Die Einheitspackung sei „unverhältnismäßig“, die Zigarette „ein legales Produkt und kein illegales, das unter der Budel verkauft wird“. Außerdem öffneten Zigaretten im Einheitslook Fälschungen Tür und Tor.

Im internationalen Vergleich ist Österreich immer noch eine Oase für Raucher: Im kalifornischen Belmont etwa ist Eltern minderjähriger Kinder das Rauchen in den eigenen vier Wänden untersagt – selbst wenn der Nachwuchs gar nicht zu Hause ist. In einigen australischen Bundesstaaten darf im eigenen Auto nicht geraucht werden, wenn unter 16-Jährige mitfahren. Für Glasenapp sind das keine denkbaren Modelle für Europa: „Solche Zustände werden in Europa nicht zur Gänze durchgesetzt werden. Das wären viel zu große Eingriffe in die Privatsphäre. Wir sind Jahrzehnte von einem rauchfreien Europa entfernt.“

 

Fünf Prozent mehr Gewinn

Imperial Tobacco ist nach eigenen Angaben die Nummer drei auf dem heimischen Tabakmarkt. Auf Platz eins liegen der US-Konzern Philip Morris und die Austria-Tabak-Mutter Japan Tobacco International. „Wir konnten unseren Marktanteil bei Zigaretten im abgelaufenen Geschäftsjahr von 16,7 auf 17,2 Prozent ausbauen“, so Glasenapp. Im Feinschnittbereich (Roll- und Stopftabak) hat Imperial Tobacco eigenen Angaben zufolge einen Marktanteil von 25,8 Prozent. 2010 steigerte der Konzern seinen weltweiten Gewinn um fünf Prozent auf drei Mrd. Pfund (3,5 Mrd. Euro).

Auf einen Blick

Jörg Glasenapp (43) leitet seit 2008 das Österreich-Geschäft des britischen Tabakkonzerns Imperial Tobacco. Das Unternehmen ist die Nummer vier auf dem Weltmarkt für Tabak und vertreibt in Österreich unter anderem die Marken Gauloises Blondes, Davidoff und West. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2010)

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