Island will Zigaretten nur noch auf Rezept erlauben

Im isländischen Parlament wird im Herbst ein Gesetzesvorschlag debattiert, der Rauchen nur noch unter ärztlicher Anleitung erlauben soll.

Symbolbild: Rauchverbot
Symbolbild: Rauchverbot
(c) REUTERS (Carlos Barria)

Im Parlament in Reykjavik steht eine Debatte über einen Gesetzesentwurf bevor, der den Verkauf von Zigaretten verbieten soll. Einzig Apotheken wären berechtigt, Zigaretten auf Rezept zu verkaufen. Das berichtet die britische Tageszeitung The Guardian auf ihrer Website.

Dieses umstrittene Konzept würde Ärzte ermutigen, Süchtigen beim Bezwingen ihrer Sucht zu helfen. Wenn dies scheitern sollte, wären sie befugt, Zigaretten zu verschreiben – und auch das nur unter der Bedingung regelmäßiger medizinischer Untersuchungen.

Anders als bei anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten bekäme der Käufer allerdings keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Eine Packung Zigaretten würde weiterhin zum vollen Marktpreis von ca. 900 Kronen (ca. 5,40 Euro) verkauft werden. Die Befürworter der Aktion rechnen allerdings vor, dass eine Packung allerdings 3000 Kronen (ca. €18,30) kosten müsste, würde man den Preis nach den realen Kosten für die Gesellschaft inklusive Gesundheitssystem richten.

Die Initiative wird von der ehemaligen Gesundheitsministerin Siv Fridleifsdottir angeführt. Sie behauptet von fünf Parteien im Parlament unterstützt zu werden. Gegenüber der Zeitung Frettabladid sagt sie, dass die Gesellschaft endlich „aufwachen“ müsse um sich der Gefahren des Rauchens bewusst zu werden.

"Ein sehr seriöser Vorschlag"

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte am Montag, dass der Vorschlag sehr ernst zu nehmen sei, jedoch nur begrenzte Chancen auf Erfolg habe. „Siv Fridleifsdottir ist eine sehr seriöse Politikerin und dies ist ein sehr seriöser Vorschlag.“, sagte Anna Baldursdottir, politische Beraterin des Gesundheitsministers. „Ob es Gesetz wird, oder nicht, weiß ich nicht. Allerdings bezweifle ich es ernsthaft.“ Die Idee wird im Herbst in Islands Parlament debattiert werden.

Island hat über die letzten 20 Jahre die Raucherquote unter der Bevölkerung erfolgreich halbiert. 1991 rauchten noch 30 Prozent der Isländer, heute tun es nur mehr in etwa 15 Prozent der 15 bis 89 jährigen regelmäßig. Das beschert Island laut Baldursdottir die niedrigste europäische Raucherquote. Im Vergleich dazu liegt der Anteil der österreichischen Bevölkerung, der regelmäßig zum Glimmstängel greift bei über 35 Prozent. Damit hält Österreich den Guinness-Weltrekord.

Zum Einen wird der Erfolg in Island dem Anstieg der Tabaksteuer zugeschrieben, die derzeit bei 1,37 Euro pro Packung liegt. Andererseits trägt auch die Wirtschaftskrise einen großen Anteil daran. Außerdem war Island der erste europäische Staat, der Werbung für Zigaretten in Geschäften verbat.

Als isolierte Insel hätte Island beim Einführen solch drakonischer Maßnahmen größere Erfolgschancen. Mit strengen Zollkontrollen und ohne Nachbarländer wäre es ein schwieriges Unterfangen, Zigaretten zu schmuggeln.

(Red.)

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