Wien: Mehrheit der Lokale ignoriert Tabakgesetz

Die Feinstaubbelastung ist auch in Nichtraucher-Bereichen groß, so eine Studie der Uni Wien. Die Ärztekammer fordert ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie.

Wien Mehrheit Lokale ignoriert
Wien Mehrheit Lokale ignoriert
(c) Clemens Fabry

Die Ergebnisse seien zum Teil "erschreckend", betonte Studienautor Armin Schietz am Dienstag.  Der Großteil der Wiener Lokale verstoße gegen das geltende Tabagesetz. Das hat eine von der Ärztekammer präsentierten Studie des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien ergeben. Messungen haben weiters gezeigt, dass die Feinstaubbelastung in den getesteten Räumen durchwegs hoch war - auch in Nichtraucher-Bereichen.

In 88 Lokalen - 16 Cafes, 51 Bars und Pubs, 14 Restaurants und sieben Diskotheken - wurden Luftproben genommen. 22 Gaststätten waren Nichtraucherlokale, in 20 war der Zigarettenkonsum generell erlaubt, 46 hatten sowohl Raucher- als auch Nichtraucherbereiche.

Zunächst fiel den Testern laut Schietz auf, dass die Zahl an Gesetzesverstößen hoch war. 61 Prozent der Betriebe wurden entsprechend kritisiert. 13 Betriebe erlaubten das Rauchen im ausgewiesenen Nichtraucherbereich. In zwölf waren die jeweiligen Räume nicht oder falsch gekennzeichnet, in 24 stand die Verbindungstür ständig offen. 14 Lokalitäten besaßen erst gar kein Nichtraucherzimmer, obwohl sie größer als 50 Quadratmeter waren (was eine Trennung verlangen würde, Anm.).

Hohe Werte an Nanopartikeln

Die Feinstaub- und Ultrafeinstaubbelastung ist in den Raucherbereichen massiv. Laut Schietz wurden teils extrem hohe Werte an Nanopartikeln gemessen. Dieser überschritt die Vergleichswerte in den angrenzenden Straße bis zum elffachen. Selbst verkehrsreiche Straßen verfügen demnach über deutlich bessere Luftverhältnisse. In gemischten Betrieben waren angrenzende Räume oft ebenfalls betroffen. Die Werte waren laut Studie bis zu dreieinhalb mal so hoch wie in reinen Nichtraucherlokalen.

Für Ärztekammer-Präsident Walter Dorner ist aus der Studie klar ersichtlich, dass das geltende Tabakgesetz weder Gäste noch Personal schützt. Er sprach sich erneut dafür aus, das Rauchen aus der Gastronomie zu verbannen: "Es wird nur gehen mit einem generellen Rauchverbot. Für ein modernes Gesundheitswesen führt daran kein Weg vorbei."


(APA)

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