Polen: Bischof soll Kindesmissbrauch verharmlost haben

"Keine Macht hält den Menschen von seinen Leidenschaften ab", sagt der bekannte Bischof Tadeusz Pieronek. Kritiker fordern nun eine Stellungnahme der Regierung.

Archivaufnahme von Pieronek
Archivaufnahme von Pieronek
Archivaufnahme von Pieronek – EPA

Der bekannte polnische Bischof Tadeusz Pieronek hat mit angeblich verharmlosenden Aussagen über Kindesmissbrauch von katholischen Geistlichen Empörung ausgelöst. Auf das zu Ende gehende Pontifikat von Benedikt XVI. angesprochen sagte der ehemalige Generalsekretär der Bischofskonferenz dem Fernsehsender TVN24, der Papst habe "mit viel wichtigeren Themen gerungen als der Pädophilie". Er habe sich darum gekümmert, dass "die Menschen im Einklang mit den göttlichen Geboten leben". Pädophilie habe es immer gegeben und werde es immer geben: "Keine Macht hält den Menschen von dem ab, wozu ihn die Leidenschaften treiben", so Pieronek.

Die stellvertretende Präsidentin des polnischen Unterhauses (Sejm), Wanda Nowicka, bis vor kurzem mit der linksliberalen Bewegung Palikots (RP) verbunden, warf Pieronek die Verharmlosung von Kindesmissbrauch vor. Sie forderte den Kinderbeauftragten der Regierung in einem Brief zu einer Stellungnahme auf. "Die Kirche behandelt Pädophilie offenbar als ein Phänomen des Brauchtums", sagte Nowicka gegenüber TVN24. Pieronek stelle damit die Notwendigkeit einer strafrechtlichen Verfolgung infrage.

Die EU-Abgeordnete Joanna Senyszyn vom Bündnis der demokratischen Linken (SLD) fragte in ihrem Internet-Blog provozierend, ob Pieronek möglicherweise selbst Kinderschänder vor der Strafverfolgung schütze und deshalb so emotional auf die Frage der Journalisten reagiert habe.

Unterstützung erhielt Pieronek dagegen vom Dominikanermönch Pawel Guzynski. Der Begriff "Leidenschaft" werde seit der Antike für Dämonen verwendet, die von einem Menschen Besitz ergriffen, so Guzynski.

Umstrittenes Dokument der Bischofskonferenz

Die polnische Bischofskonferenz hatte im März 2012 ein umstrittenes Dokument zum Umgang mit Kindesmissbrauch beschlossen. Darin heißt es, Opfer hätten keinen Anspruch auf Entschädigung vonseiten der Kirche. Außerdem müsse das Beichtgeheimnis auch dann gewahrt bleiben, wenn Geistliche beim Sündenbekenntnis über eine solche Straftat informierten.

In Polen wurden bisher weniger Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche publik als in vielen anderen Ländern. In den vergangenen Jahren kam es zwar immer wieder zu einzelnen Vorwürfen gegen Priester. So verurteilte das Kreisgericht in Koszalin in Westpommern im Dezember einen Geistlichen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Der Pfarrer hatte sich in mindestens zehn Fällen von Ministranten sexuell befriedigen lassen. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. "Es gibt einen Mechanismus, solche Fälle zu verschweigen", meint etwa der Theologe Tadeusz Bartos. Vor kurzem veröffentlichte der holländische Journalist Ekke Overbeek ein Buch über Missbrauchsopfer von polnischen Geistlichen.

(APA)

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