Papst-Berater erteilt Schüller Auftrittsverbot

Zieht Rom (auch) unter Franziskus die Daumenschrauben gegen Kirchenkritiker an? Ein Vertrauensmann des neuen Papstes, Kardinal O'Malley, hat dem Sprecher der Pfarrerinitiative Schüller Auftritte in seiner Diözese Boston verboten.

KIRCHENREFORM: ARCHIVBILD HELMUT SCHUeLLER
KIRCHENREFORM: ARCHIVBILD HELMUT SCHUeLLER
APA/HERBERT PFARRHOFER

Ist Helmut Schüller, der Sprecher der Parrerinitiave persona non grata im Vatikan? Wie verfährt die Kurie unter dem neuen Pontifikat mit Kritikern? Setzen sich hinter den Kulissen Bewahrer gegen Reformer durch? Verbirgt sich hinter dem freundlichen Lächeln von Franziskus ein konservativer Hardliner? Diese Fragen stellen sich angesichts der jüngsten Entwicklungen.

Denn nach der Schelte durch den Präfeketen der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller erteilt nun der Bostoner Erzbischof Sean Patrick O'Malley in seiner Erzdiözese ein Auftrittsverbot für Schüller. Dies berichtet die Zeitung "The Boston Globe". O'Malley ist nicht irgendein Kardinal. Er ist immerhin einer jener Purpurträger, denen der neue Papst besonders vertraut. Denn er gehört zum handverlesenen Kreis jener acht Männer, die ein Megaprojekt von Franziskus betreuen. Sie sitzen im Beratergremium, das nichts weniger als eine Reform der vatikanischen Kurie vorbereiten soll.   

Widerspruch zur katholischen Lehre?

Terrence C. Donilon, Sprecher der Bostoner Erzdiözese begründet das Verbot für Schüller mit dem Grundsatz,  "Einzelpersonen keine öffentlichen Auftritte in katholischen Pfarren oder bei kirchlichen Ereignissen zu erlauben, wenn deren Positionen der katholischen Lehre widersprechen".

Schüller hätte laut dem Zeitungsbericht am 17. Juli in der Kleinstadt Dedham im US-Bundesstaat Massachusetts in der Pfarrkirche zur heiligen Susanna eine Vereinigung reformorientierter Katholiken vorgeschlagen. Es wäre Teil einer Vortragsreihe des Propstdorfer Pfarrers in mehreren Orten in den USA gewesen, die den Titel "The Catholic Tipping Point" ("Der katholische Wendepunkt") trägt.

Ungeachtet dessen will Schüller trotz des über ihn verhängten Auftrittsverbots auftreten. "Die Organisatoren haben bereits ein Ersatzquartier organisiert, das sich nicht im Besitz der Kirche befindet", sagte er am Mittwoch zu ORF Religion. Zielpublikum seien Interessierte an der österreichischen Pfarrerinitiative und an deren Forderungen (unter anderem Aus für den Pflichtzölibat). Vor allem engagierte Laien würden zu den Vorträgen erwartet.

(d.n./kap)

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