Benedikt XVI. als "Botschafter des Friedens"

Der Papst fordert in Sydney Vertreter der Weltreligionen zum Einsatz für Frieden und "Respekt für die Menschenwürde" auf. Am Wochenende ist das große Finale seines Australien-Besuchs.

(c) REUTERS (Pool)

Vor dem großen Finale des Weltjugendtags gönnte sich Papst Benedikt XVI. am Freitag ein etwas ruhigeres Programm: Er eröffnete zwar den Kreuzweg des Weltjugendtages mit einem Gebet, die restlichen 13 Stationen verfolgte er aber von zu Hause auf dem TV-Schirm.

Davor traf der Papst Vertreter der vier Weltreligionen, die er dazu aufgerufen hat, gegen die Gewalt zu predigen: "In einer Welt, die von unheimlichen und unüberlegten Formen von Gewalt bedroht ist, drängt die einheitliche Stimme der Religionsvertreter Nationen und Gemeinschaften, Konflikte friedlich zu lösen und mit vollen Respekt für die Menschenwürde." Der Papst bezeichnete sich als "Botschafter des Friedens" und sagte zu den teilnehmenden Muslimen, Juden, Hindus und Buddhisten: "Ich fühle mich gesegnet, Sie alle zu treffen, die die gleiche Sehnsucht teilen, der Welt zu helfen, diesen Frieden zu erreichen."

Schönborn in Sydney: "Viel Geistlosigkeit"

Benedikt XVI. sei sehr zufrieden mit dem Verlauf des Weltjugendtages, sagte sein Sprecher Federico Lombardi. Der Papst habe sich besonders über die große Willkommenszeremonie am Hafen gefreut. Zum Weltjugendtag sind nach Schätzungen 225.000 Pilger in Sydney - darunter 600 Österreicher, die am Donnerstagabend gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn und dem österreichischen Botschafter in Australien, Hannes Porias, in einer katholischen Privatschule das traditionelle "Österreicher-Treffen" gefeiert haben.

Kardinal Schönborn rief die Jugendlichen in seiner Predigt beim gemeinsamen Gottesdienst dazu auf, "Banalität und Oberflächlichkeit" in ihrem Leben zu meiden. Es gebe heute "viel Geistlosigkeit in der Gesellschaft". Er sei überzeugt, dass das Erlebnis des Weltjugendtags nicht nur für jeden Einzelnen von Bedeutung ist, "sondern auch Auswirkungen auf unser Leben zu Hause und damit auf unser Land hat".

Medien: Begeisterung und Enttäuschung

Die australischen Medien haben unterdessen offenbar ihre Vorliebe für Papst Benedikt XVI entdeckt, wie Kathpress weiter berichtete. In allen Zeitungen fand am Freitag der erste offizielle Auftritt von Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag in Sydney den Weg auf die Titelseite. In den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung stellten alle Blätter die Ansprache des Papstes.

In keinem der Blätter fehlte allerdings die kritische Anmerkung, dass sich der Papst bei seinem ersten Auftritt beim Weltjugendtag nicht bei den Opfern sexuellen Missbrauchs für das Leid entschuldigt hat, das ihnen und ihren Angehörigen durch Priester zugefügt wurde. "Opfer enttäuscht über das Schweigen des Pontifex zum Thema Entschuldigung", schrieb etwa "The Australian". Benedikt XVI. hatte zuvor angedeutet, bei seinem Besuch in Australien dieses Thema ansprechen zu wollen.

(Ag./Red.)

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