ÖVP fordert mit "Laieninitiative" die Kirche heraus

Der Seelsorge-Notstand sei ein Skandal, mahnen ÖVP-Politiker wie Andreas Khol und Erhard Busek die Kirche. Sie fordern daher eine Lockerung des Zölibats und Frauen als Diakoninnen.

Symbolbild: Priesterweihe
Symbolbild: Priesterweihe
(c) EPA (Giuseppe Giglia)

Der Priestermangel und der daraus resultierende Seelsorgenotstand ist der ÖVP ein Dorn im Auge. Die ÖVP-Politiker Erhard Busek, Andreas Khol und Herbert Kohlmaier haben die katholische "Laieninitiative" ins Leben gerufen und eine Unterschriften-Aktion gestartet, um eine Reihe von Reformen in der Kirche durchzusetzen. Ein entsprechendes Memorandum wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt. Im kommenden Herbst will man den österreichischen Bischöfen die Unterstützungserklärungen übergeben - bei Nichtbeachtung dieser Forderungen werde man "eine Situation herbeiführen", die von der Kirchenführung "nicht mehr übergangen werden kann".

Der Seelsorge-Notstand im ländlichen Raum werde durch den Priestermangel immer ärger, erklärte Kohlmaier. Man wolle mit der Aktion "Wege aufzeigen, die die Kirche einschlagen muss, wenn sie den Priestermangel ernst nimmt". Konkret stellt die "Laieninitiative" vier Forderungen auf: die Reaktivierung der wegen einer Eheschließung aus dem Amt entfernter Priester, die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und die Weihe und Ermächtigung von "viri probati" zur Durchführung sakramentaler Handlungen wie Eucharistie oder Krankensalbung.

Einige tausend Unterschriften angepeilt

Für Khol berühren die Forderungen "in keiner Weise die Substanz des Glaubens und widersprechen nicht dem Kirchenrecht". Die Forderung nach einer Priesterweihe von Frauen habe man "bewusst ausgeklammert, um es nicht zu erschweren", erklärte Kohlmaier. Bisher gebe es rund 700 Unterstützungserklärungen, angepeilt werden "einige tausend".

"Der Seelsorgenotstand ist ein Missstand, ein Ärgernis, ein Skandalum", so Kohlmaier. Falls die Anliegen der Initiative von den Bischöfen ignoriert werden sollten, werde man mit "Maßnahmen, die rechtlich, theologisch und vor dem Gewissen vertretbar sind, aber die Integrität der Kirche nicht in Frage stellen" eine Situation herbeiführen, "die von der Kirche nicht mehr übersehen werden kann", so Kohlmaier.

Kirchenbeitrag kürzen?

Wie diese Maßnahmen konkret aussehen sollen, wollten die Vertreter der "Laieninitiative" nicht sagen, denn man wolle keine Drohungen aussprechen. Im Worst-Case-Szenario könnte man jedoch die Frage thematisieren, ob es moralisch und rechtlich zulässig sei, trotz einer erheblich reduzierten Seelsorge den Kirchenbeitrag unverändert einzuheben. "Die Kirche ist ein Dienstleistungsbetrieb, der natürlich seinen Finanzbedarf hat", so Kohlmaier. "Aber wenn ein Pfarrer mehrere Gemeinden betreut, das Service reduziert ist, dann fragt man sich, ob das noch berechtigt ist."

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