Piusbrüder auf Konfrontation: Juden als Christus-Mörder

Mohammed sei ein Kinderschänder, Juden müssten missioniert werden, Mitbrüder werden illegal zu Priestern geweiht: Die Piusbrüder provozieren. Der Vatikan gesteht Kommunikations-Defizite ein.

Der Gründer der Piusbruderschaft, Marcel Lefebvre
Der Gründer der Piusbruderschaft, Marcel Lefebvre
(c) AP

Die Piusbruderschaft geht auch nach der Versöhnungsgeste von Papst Benedikt XVI. auf Konfrontationskurs: Mohammed wird einem hohen Vertreter als Kinderschänder bezeichnet, die Juden von einem anderen als Christus-Mörder und in Deutschland sollen verbotene Priesterweihen stattfinden, berichten unterschiedliche Medien.

In einem Interview mit der Zeitung "Österreich" sagte der Distriktsobere der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. in Österreich, Helmut Trutt: "Die Juden haben Christus damals getötet." Man müsse die Juden so wie Heiden missionieren. Außerdem nannte Trutt Homosexualität eine Sünde. Von der Aussagen des umstrittenen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust hat sich Trutt distanziert. Im Ö1-"Mittagsjournal" sagte Trutt am Freitag, dass vom Zweiten Vatikanischen Konzil Lehren vertreten würden, die man als "Irrlehren" oder "falsche Lehren" bezeichnen müsse.

Deutscher Oberer: "Worte verdreht"

Der Distriktsobere der Piusbrüder in Deutschland, Franz Schmidberger, hat den islamischen Propheten Mohammed als Kinderschänder bezeichnet. Mohammed habe "mit einem Mädchen geschlechtlichen Umgang gepflegt, mit acht oder neun Jahren", erklärte Schmidberger gegenüber dem Sender SWR. Des Weiteren sei die Rücknahme der Exkommunikation der vier SSPX-Bischöfe vor knapp zwei Wochen durch Papst Benedikt XVI. nur folgerichtig: "Es ist dringend notwendig, denn der Glaube ist sehr, sehr verwässert und wir leben in einer neuheidnischen Gesellschaft." Kurz darauf verkündete Schmidberger, sich nicht mehr zur Causa Williamson zu äußern, da seine "Worte verdreht und bewusst falsch ausgelegt" werden.

Für Ende Juni ist der nächste Termin von Priesterweihen angesetzt, obwohl solche Weihen den vier abtrünnigen Bischöfen der Bruderschaft verboten seien, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger". Der Vatikan hatte wiederholt betont, dass den Piusbrüdern liturgische Handlungen und das Spenden von Sakramenten verboten ist, berichtet die Zeitung.

Unterstützung für Papst Benedikt XVI.

Mehrere konservative Vereinigungen haben zur Solidarität mit Papst Benedikt aufgerufen. Das katholische Magazin "Kath.net" hat eine Online-Unterschriftenaktion gestartet. "Nicht wenige Katholiken haben derzeit genug von den medialen Angriffen auf Papst Benedikt", heißt es auf der Homepage.

Kommunikationsdefizite im Vatikan

Die Holocaust-Affäre hat nach Ansicht von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi Kommunikationsdefizite in der Kurie offengelegt. Zugleich nahm Lombardi in der katholischen französischen Tageszeitung "La Croix" (Freitag-Ausgabe) Papst Benedikt XVI. im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocausts-Leugners Richard Williamson in Schutz. Nach den Worten Lombardis muss in der Kurie erst noch eine "Kultur der Kommunikation" geschaffen werden. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne zwangsläufig an eine Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Vatikans zu denken.

Wenn es bereits bei der Veröffentlichung des Dekrets die zusätzlichen Erklärungen des Staatssekretariats vom Mittwoch (4. Februar) gegeben hätte, wäre dem Vatikan viel erspart geblieben, meinte Lombardi. "Vor allem, wenn es sich um "heiße" Themen handelt, ist es vorzuziehen, seine Erklärungen gut vorzubereiten. Aber es ist unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden", sagte Lombardi.

Äußerungen sind "inakzeptabel"

Am Mittwoch hatte der Vatikan den Traditionalisten-Bischof Williamson zum Widerruf seiner Holocaust-Äußerungen aufgerufen (mehr ...). Um als katholischer Bischof vollständig rehabilitiert zu werden, "muss Williamson in unmissverständlicher Weise öffentlich Abstand nehmen von seinen Erklärungen zur Schoah", hieß es weiter. "Die Äußerungen von Monsignore Williamson sind absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt."

Es sei ein "heikler Punkt", wer die Ansichten Williamsons gekannt habe, meinte Lombardi. Der Papst habe das nicht gewusst. Wenn es jemand gewusst habe, sei es der Präsident der zuständigen Päpstlichen Kommission, Kardinal Dario Castrillon Hoyos, gewesen.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch kritisierte den mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Aufhebung der Exkommunikation habe man "den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen", sagte er am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Kardinal Hoyos hätte sich vergewissern müssen, "was für Personen" die betroffenen vier Mitglieder der Piusbruderschaft seien. Dass dies nicht geschehen und Papst Benedikt nicht informiert worden sei, sei "ein offenes Versagen".

Bruch Kirche - Bruderschaft?

Zollitsch rechnet mit einem Bruch der Kirche mit der Bruderschaft, deren Einlenken nicht zu erwarten sei. "Bei der Mehrheit der Angehörigen der Piusbruderschaft sehe ich keinen Willen zur Einigung", sagte der Freiburger Erzbischof am Donnerstag dem Südwestrundfunk (SWR). Er habe bei einem Telefonat mit Rom am Donnerstag gespürt, "dass niemand dort an diese Welle gedacht" hätte, sagte Zollitsch im ZDF.

Der Theologe Hans Küng warnte davor, in der Diskussion über die Piusbruderschaft nur auf die Holocaust-Leugnung durch Williamson zu verweisen. "In der ganzen Bruderschaft ist die Judenfeindlichkeit derzeit noch verbreitet. Sie betrachten die Juden als Gottesmörder und sind jeglichem Dialog abgeneigt", sagte der Schweizer Theologe, der in Tübingen lebt, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte bei "Handelsblatt.com" die völlige Abkehr der katholischen Kirche von der Bruderschaft.

Sarkozy schockiert über Williamson

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bezeichnete die Äußerungen des Holocaust-Leugners Richard Williamson als "schockierend". Es sei "inakzeptabel, dass jemand im 21. Jahrhundert die Shoah, das Martyrium der Juden leugne", sagte Sarkozy am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Aufforderung des Vatikan an Williamson, seine Thesen zu widerrufen, als "wichtiges und gutes Signal". Merkel hatte den Papst zu einer Klarstellung in der Diskussion über den Umgang mit dem Holocaust aufgefordert. Dafür erhielt sie viel Lob, aber auch Kritik aus der eigenen Partei.

Der aus Bayern stammende Benedikt hatte Ende Jänner die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. (SSPX) - darunter der britische Holocaust-Leugner Williamson - aufgehoben. Dies hatte international zu heftigen Protesten geführt, vor allem in Deutschland. Die vier Männer waren von dem inzwischen verstorbenen ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 gegen den Willen des Heiligen Stuhls zu Bischöfen geweiht worden. Ein derartiger Akt zieht nach Kirchenrecht die automatische Exkommunikation nach sich. Die Lefebvrianer lehnen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) und in dessen Gefolge eingeführten Veränderungen in der katholischen Kirche ab.

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Piusbrüder auf Konfrontation: Juden als Christus-Mörder

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen