Orden pleite? Schweiz beschlagnahmt Franziskaner-Konten

Der Generalminister des Ordens informiert seine Mitbrüder über schwere finanzielle Probleme. Der Orden könnte in Drogen- und Waffenhandel verstrickt sein.

Papst Franziskus besuchte im Oktober 2013 Assisi, die Wirkungsstätte des Ordensgründers Franz von Assisi.
Papst Franziskus besuchte im Oktober 2013 Assisi, die Wirkungsstätte des Ordensgründers Franz von Assisi.
Papst Franziskus besuchte im Oktober 2013 Assisi, die Wirkungsstätte des Ordensgründers Franz von Assisi. – (c) REUTERS

Der weltweite Franziskanerorden steht wegen hoher Schulden am Rande des finanziellen Zusammenbruchs. Die Schweizer Justizbehörden sollen Bankkonten des Ordens mit Dutzenden Millionen Euro beschlagnahmt haben, berichtete die italienische Tageszeitung "La Stampa".

Die Gelder sollen in Gesellschaften investiert worden sein, gegen die wegen illegalen Geschäften, unter anderem Drogen- und Waffenhandel, ermittelt wird. Auch millionenschwere Ausgaben für die Restaurierung eines vom Orden verwalteten Hotels im Zentrum Roms sind ins Visier der römischen Justizbehörden geraten, berichtete die Tageszeitung "Corriere della Sera" am Freitag.

Generalminister ruft zum Gebet auf

Der Generalminister des Franziskanerordens, der US-Amerikaner Michael Anthony Perry, bestätigte in einem Brief an allen Franziskaner, dass die finanzielle Stabilität des Ordens schwer gefährdet sei. Die Probleme seien auf Aktivitäten der für Wirtschaftsfragen zuständigen Abteilung des Ordens zurückzuführen, erklärte Perry. Er rief die Mitbrüder auf, für den Orden zu beten.

Die intransparenten Operationen sind auf die Zeit zurückzuführen, in der Perrys Vorgänger José Rodriguez Carballo im Einsatz war. Dieser war 2013 von Papst Franziskus in die Kurie zum zweiten Verantwortlichen der Ordenskongregation berufen und zum Erzbischof ernannt worden.

Ins Visier der Ermittler sind Personen außerhalb des Ordens geraten, hieß es. Der Orden sei Opfer eines Riesenbetrugs, berichtete "La Stampa". Ein hoch qualifiziertes Anwälteteam soll nun Klarheit in den Skandal bringen. Perry erklärte, er begreife "die Enttäuschung" vieler Mitbrüder und bezog sich auf das Beispiel von Papst Franziskus und seines Einsatzes für Wahrheit und Transparenz in den finanziellen Aktivitäten der Kirche.

(APA)

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