Konzilspriester führt Grazer Diözese

Nach Bischof Kapellaris Rückzug ist dessen rechte Hand Schnuderl Administrator.

Heinrich Schnuderl
Heinrich Schnuderl
Heinrich Schnuderl – (c) Gerd Neuhold

Wien/Graz. Die Steiermark muss seit gestern, Mittwoch, ohne amtierenden Bischof auskommen. Wie angekündigt, hat Franziskus am Mittwoch das vier Jahre zurückliegende Rücktrittsgesuch des Grazer Bischofs Egon Kapellari (79) angenommen. Wie gleichfalls in der „Presse“ angekündigt, hat das Grazer Domkapitel wenige Stunden später die bisherige rechte Hand Kapellaris, Generalvikar Heinrich Schnuderl (71), zum Diözesanadministrator gewählt.

Schnuderl, der als früherer Hochschulseelsorger, Stadtpfarrer, Pastoralamtsleiter und Bischofsvikar die Steiermark wie kaum ein anderer Priester kennt, gilt seit Langem als episkopabel. Er war 2001 schon als Nachfolger für Bischof Johann Weber im Gespräch – kam aber (noch) nie zum Zug. Der Grund: Schnuderl galt dem Vatikan in den Zeiten Johannes Pauls und Benedikts als zu wenig verlässlich. Schnuderl war Geistlicher Assistent der Katholischen Aktion Österreich in den kirchenintern äußerst turbulenten 1990er Jahren (Konflikte um Kardinal Hans Hermann Groër und Bischof Kurt Krenn). Der gebürtige Grazer war auch maßgeblich an den Vorbereitungen des „Dialogs für Österreich“ und des Salzburger Delegiertentags 1998 beteiligt. Im Vatikan wurden die Vorgänge betont kritisch beobachtet. Ein gewisser Joseph Ratzinger verfasste als Präfekt der Glaubenskongregation sogar einen warnenden Brief nach Wien. Und tatsächlich: Obwohl die Mitglieder des Delegiertentags von den Bischöfen bestellt wurden, sprach sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit für Reformen aus.

Schnuderl selbst sieht sich ganz der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils verpflichtet, dessen Reformschub er als junger Priester hautnah miterlebt hat. Ihm wird zugute gehalten, sowohl in Diskussionen mit Intellektuellen als auch in Gesprächen mit „einfachen“ Menschen gute Figur zu machen.

Laut Aussendung der Diözese lobte er am Mittwoch Vorgänger Egon Kapellari. Dieser habe Bedrückte aufgerichtet, oft zu neuen Wegen Mut gemacht und Antworten auf Gegenwartsfragen gegeben. Schnuderls Ziele als Administrator: „Die Freude am Glauben erneuern, die Seelsorge in der Diözese neu auszurichten und als Kirche unsere Gesellschaft mitgestalten.“

Üblich ist der Umweg über einen Diözesanadministrator nicht. Völlig unüblich aber auch nicht. Nach dem Rückzug von Bischof Elmar Fischer 2011 in Vorarlberg leitet dessen Generalvikar Benno Elbs für eineinhalb Jahre die Diözese Feldkirch als Administrator. Bis dieser dann zum Bischof ernannt wurde – als erster für Österreich im Pontifikat Franziskus.

Anders lief es in Wien nach Kardinal Franz König. Damals leitete Weihbischof Helmut Krätzl, der für viele als logischer Nachfolger galt, 1985/86 die Erzdiözese Wien als Administrator. Zum Zug kam statt ihm dann ein Wallfahrtsdirektor namens Groër.

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