Religion: Aleviten wollen eigene Glaubens-Gemeinschaft

Vereine stellen zwei verschiedene Anträge. Eine entscheidende Frage bei der Anerkennung wird sich darum drehen, ob sich Aleviten überhaupt als Muslime sehen.

(c) EPA (Vassil Donev)

Wien(eko). Die österreichischen Aleviten wollen als eigene Religionsgesellschaft anerkannt werden. Ein entsprechender Antrag des Kulturvereins der Aleviten Wien ist am 22. März im für Religionsfragen zuständigen Kultusamt eingegangen.

Wie gut die Chancen stehen? Nicht gut, rechnen doch nicht einmal die Antragsteller mit grünem Licht. Doch werde man bis zum Europäischen Gerichtshof gehen. Dass es schlecht aussieht, liegt daran, dass der Verein eine „Islamische Glaubensgemeinschaft der Aleviten“ gründen will – aber die Alleinvertretung der Muslime obliegt der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), von der man sich abgrenzen will.

Doch um sicherzugehen, ist bereits ein zweiter Antrag an das Kultusamt in Vorbereitung, diesmal von der „Föderation der Aleviten in Österreich“, die auf das Wort „Islam“ im Antrag verzichtet. Er soll noch diese Woche eingereicht werden.

Eine entscheidende Frage bei der Anerkennung wird sich darum drehen, ob sich Aleviten überhaupt als Muslime sehen. Tun sie das, wäre eine Abspaltung ein Eingriff in innere Angelegenheiten, und das Kultusamt müsste den Antrag ablehnen. In der IGGiÖ meint man aber ohnehin, es handle sich „offensichtlich um eine selbstständige anatolisch, vom Weltislam weitestgehend unabhängige Glaubensrichtung“, so der Text einer Aussendung. Daher unterstütze man auch den Vorstoß.

Eine Voraussetzung für die Anerkennung dürfte die Gruppe aber erfüllen, nämlich eine Mitgliederzahl von zwei Promille der Bevölkerung – also 16.000. In Österreich wird die Zahl der Aleviten auf 20.000 bis 60.000 geschätzt. Offizielle Zahlen gibt es freilich nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2009)

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