Missbrauch vertuscht? Erzbischof von Minneapolis trat zurück

Wegen zahlreicher Missbrauchsklagen und Unklarheiten treten zwei US-Bischöfe zurück. Die Diözese ist aufgrund der Missbrauchsfälle pleite.

Bischof John Nienstedt muss den Diözesen-Vorsitz abgeben.
Bischof John Nienstedt muss den Diözesen-Vorsitz abgeben.
Bischof John Nienstedt muss den Diözesen-Vorsitz abgeben. – (c) REUTERS

Der US-Erzbischof John Nienstedt (68) ist von der Leitung der Erzdiözese Saint Paul und Minneapolis zurückgetreten. Der Schritt, den der Vatikan und die Diözesanleitung zeitgleich am Montag bekannt gaben, kam zehn Tage nach Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die Erzdiözese habe beim Schutz Minderjähriger vor sexuellem Missbrauch versagt, wie Kathpress meldet.

Mit Nienstedt gab auch Weihbischof Lee Piche (57) sein Amt ab. Er war mit der kircheninternen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beauftragt. Während der Vatikan wie üblich keine konkrete Gründe für den Amtsverzicht angab, teilte Nienstedt mit, er wolle der Erzdiözese "einen Neuanfang inmitten der vielen Herausforderungen" ermöglichen.

Hat Nienstedt Missbrauch vertuscht?

Nienstedt, seit 2008 Erzbischof von Minneapolis, geriet 2013 in die Kritik, Anschuldigungen gegen einen übergriffigen Priester vertuscht zu haben. Der betreffende Geistliche, Curtis Wehmeyer, sitzt derzeit eine fünfjährige Haftstrafe wegen Sex mit Minderjährigen und Besitzes von kinderpornografischem Material ab. Gegen Nienstedt selbst wurde im Juli 2014 der Vorwurf sexueller Beziehungen mit anderen Klerikern und erwachsenen Priesteramtsanwärtern laut. Nienstedt bestritt dies. Die Erzdiözese beauftragte Weihbischof Piche mit internen Ermittlungen.

Nach zahlreichen Missbrauchsklagen hatte die Erzdiözese Minneapolis im Jänner Gläubigerschutz nach dem US-Insolvenzrecht beantragt. Die Bilanz für das Steuerjahr 2014 wies ein Minus von 9,1 Millionen Dollar (8,11 Mio. Euro) aus. Zudem sah sich die Kirchenleitung mit möglichen weiteren Missbrauchsklagen konfrontiert. Erzbischof Nienstedt hatte sich nach eigenen Worten zum Konkurs entschlossen, um eine adäquate Entschädigung von Missbrauchsopfern sicherzustellen und teure Rechtsstreitigkeiten abzuwenden.

Notverkäufe von Immobilien

Ende Mai gab die Kirchenleitung bekannt, sie werde sich in Notverkäufen von mehreren Immobilien trennen, darunter der Residenz des Erzbischofs und der Kanzlei. Insgesamt hoffte die Kirchenleitung laut Medienberichten auf einen Erlös von 10,6 Millionen Dollar. Allein der Komplex von Bischofshaus und Kanzlei solle 6,3 Millionen Dollar erbringen.

Die Erzdiözese benötigt nach eigenen Angaben das Geld sowohl für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer als auch für laufende Ausgaben während des Insolvenzverfahrens. Finanzchef Tom Mertens betonte damals laut einer Zeitung, die Verkäufe erfolgten freiwillig und nicht auf gerichtliche Anordnung.

Fall für Tribunal der Glaubenskongregation?

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte laut der US-Zeitschrift "National Catholic Reporter" (Onlineausgabe) am Montag, er wisse nicht, ob sich die zurückgetretenen Bischöfe Nienstedt und Piche vor dem neuen vatikanischen Gericht verantworten müssten. Er nannte die Frage allerdings "berechtigt".

Am vergangenen Mittwoch hatte Papst Franziskus die Schaffung eines eigenen Tribunals bei der Glaubenskongregation angekündigt, das sich mit dem Versagen von Bischöfen bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen befassen soll. Der Beschluss folgte Empfehlungen des Kardinalsrates für die Kurienreform und der päpstlichen Kinderschutzkommission.

(APA)

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