Vatikanbank: Neuer Chef für die Schatztruhe des Papstes

Ettore Gotti Tedeschi ist der neue Präsident der Vatikanbank IOR. Die Gewinne der Bank gehen direkt an den Papst. Die Bank war in der Vergangenheit in mehrere Skandale verwickelt.

Der neue Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi
Der neue Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi
(c) EPA (Franco Cavassi)

An der Spitze der Vatikanbank IOR ist es am Mittwoch nach 20 Jahren zu einer Wende gekommen. Der bisherige Präsident der Bank, Angelo Caloia, muss seinen Platz für den Wirtschaftsexperten und Bankier Ettore Gotti Tedeschi räumen. Das hat die für die Aufsicht des IOR zuständige Kommission unter dem Vorsitz des vatikanischen Staatssekretärs, Kardinal Tarcisio Bertone, beschlossen. Caloias Mandat wäre erst im März 2011 ausgelaufen, er soll dem Vatikan weiterhin als Berater dienen. Auch die Mitglieder des Aufsichtsrates wurden ausgewechselt.

Der 63-jährige Ettore Gotti Tedeschi, der als Kommentator für die vatikanische Tageszeitung "L'Osservatore romano" über wirtschaftliche Themen schreibt, ist derzeit als Vertreter der spanischen Bank Santander in Italien aktiv. Er doziert Ethik der Finanz an der katholischen Universität in Mailand. Mit dem Schriftsteller Rino Cammilleri hat Tedeschi das Werk "Denaro e Paradiso" ("Geld und Paradies") geschrieben. Ihm werden beste Beziehungen zum Staatssekretär Bertone nachgesagt.

"Schatztruhe des Papstes"

1887 hatte Papst Leo XIII. als Reaktion auf die Zerschlagung des Kirchenstaats die Bildung des Geldinstituts angeordnet. Papst Pius XII. machte es 1944 zu einer echten, eigenständigen Bank. Heute arbeitet die Vatikanbank mit eigenem Vermögen und auf eigene Rechnung im Auftrag des jeweiligen Papstes. Die Vatikanbank IOR beschäftigt 130 Personen und verwaltet 40.000 Bankkonten.

Das "Institut für religiöse Werke" ("Istituto per le Opere die Religione" - IOR) legt traditionell weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte vor. Eigentümer der Bank ist der Papst selbst, der auch die Gewinne für sich beansprucht. Mehr als einmal waren unsaubere Finanzgeschäfte des IOR in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, etwa die Verbindung zu Teilen der Mafia.

(APA/Red.)

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