Moscheen in Österreich: Streit um Minarett und Muezzin

In Bad Vöslau eröffnet demnächst die dritte Moschee Österreichs. Umstritten ist nach wie vor das Minarett im Tiroler Telfs. Auch in Wien sorgte vor wenigen Jahren der Ruf des Muezzin für Aufregung.

Moschee in Wien-Brigittenau
Moschee in Wien-Brigittenau
(c) Die Presse (Fabry Clemens)

In Bad Vöslau steht die österreichweit dritte Moschee kurz vor ihrer Eröffnung. Vor bald 30 Jahren hat die erste Moschee Österreichs in Wien-Floridsdorf ihre Pforten geöffnet. Umstritten ist nach wie vor die vor drei Jahren eröffnete Moschee im Tiroler Telfs.

Telfs: Streitpunkt Minarett

Das umstrittene 15 Meter hohe Minarett mit Halbmond im Tiroler Telfs sorgt drei Jahre nach seinem 2006 fertiggestellten Bau an Stammtischen nicht nur in der Marktgemeinde immer noch für hitzige Diskussionen und wird auch im Gemeinderatswahlkampf 2010 wohl wieder eine Rolle spielen. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Migrantenbeirates von Telfs, Hans Ortner, polarisiere allerdings nicht der Turm an sich, sondern das "Ausländerthema" und die fehlende Integration.

In der 15.000 Einwohner zählenden Gemeinde leben Angehörige von 64 Nationen. 2500 Bewohner hätten einen muslimischen Hintergrund, vor allem Türkischstämmige, aber auch Zugewanderte aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, so Ortner. 65 Prozent hätten mittlerweile die österreichische Staatsbürgerschaft. Integration müsse "in den Köpfen passieren", meinte Hans Ortner. Sie könne nicht verordnet werden. In Telfs gibt es unter anderem einen Integrationskindergarten, Sprachstartgruppen für Dreijährige, Integrationsstammtische oder einen Deutschkurs der Caritas in der Moschee, "der sehr gut angenommen wird".

Den Telfer Bürgermeister Stephan Opperer (ÖVP) brachte das Minarett bzw. der Streit mit der FPÖ bis vor den OGH, wo er allerdings verlor. Der im Zivilberuf als Rechtsanwalt tätige Opperer hatte die FPÖ wegen deren Kritik an seinen Minarett-Entscheidungen geklagt und in letzter Instanz verloren. Die Moschee gebe es in Telfs seit 30 Jahren. Der 2005 errichtete Gebetsturm störe "überhaupt niemanden mehr", betonte Opperer.

Der Zuzug in Telfs und der Migrationshintergrund hänge mit der industriegeschichtlichen Entwicklung der Marktgemeinde zusammen, die früher eine Textilhochburg war. "Damals hat man die Leute geholt und jetzt sind sie da", meinte Opperer. Keinen Zusammenhang mit dem Ausländerthema sieht der Bürgermeister bei parteiinternen Gegnerschaften. Seine erst kürzlich erfolgte Wiederwahl als VP-Ortsparteichef erfolgte mit nur 51,8 Prozent. Im bevorstehenden Gemeinderatswahlkampf, in dem die Opperer-Gegner in der ÖVP vermutlich mit einer eigenen Liste antreten werden, hoffe er auf die Unterstützung auch jener Telfer mit Migrationshintergrund.

Ursprünglich hätte das Telfer Minarett 20 Meter hoch werden sollen. Nach Anrainerprotesten wurde es auf 15 Meter verkürzt. In seinem Inneren ist es mit traditionellen Kacheln ausgelegt. Dass in Telfs vom Minarett aus zum Gebet gerufen wird, wurde sogar im Grundbuch ausgeschlossen. In einer Eintragung wurde festgelegt, dass ein Muezzin dort nicht "tätig" werden darf.

Wien: Streitpunkt Muezzin

Bald feiert Österreichs erste Moschee ihren 30. Geburtstag: Am 20. November 1979, dem Neujahrstag des islamischen Kalenderjahres, wurde beim Hubertusdamm in Wien-Floridsdorf das imposante Bauwerk mit seinem 32 Meter hohen Minarett feierlich eröffnet. Die Moschee ist Teil des dort eingerichteten Islamischen Zentrums. An der Eröffnung hatten unter anderen Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) teilgenommen. Bis heute ist sie die einzige Moschee in der Bundeshauptstadt.

Der Grundstein für das Islamische Zentrum, das von einer eigenen Stiftung verwaltet wird, wurde bereits 1968 von den Botschaftern acht islamischer Staaten gelegt. Jahrelang geschah dann aber aus Geldmangel gar nichts. Erst die Spende des saudi-arabischen Königs Daisal Bin Abdul Aziz brachte 1975 die Bauarbeiten an der Moschee mit einem Kuppeldurchmesser von 20 Metern wieder ins Rollen. Die Ausschreibung für deren Errichtung gewann der damals noch unbekannte Wiener Baumeister Richard Lugner, der daraufhin seine Lastwagen mit der Aufschrift "Wir bauen nicht nur Moscheen" schmückte.

2003 entspann sich eine Kontroverse um den täglichen Ruf des Muezzins am Ufer des Entlastungsgerinnes. Hatte dieser jahrelang nur zum Freitagsgebet gerufen, erschallte der Ruf seit Mitte des Jahres dreimal täglich. Dies rief Proteste der Anrainer hervor. Mittlerweile hat man sich auf einen Kompromiss geeinigt: Seither ruft der Muezzin leiser.

Bis zu 1500 Menschen finden sich an Freitagen in der Moschee ein, der auch eine Koranschule angeschlossen ist. Daneben existieren in Wien rund 45 Gebetsstätten, deren größte nicht mehr als 500 Personen fasst.

(APA)

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