Pessach und zwei Mal Ostern: Jerusalem hat einen Gebetsplan

Die Katholiken feiern vor den Orthodoxen in der Grabeskirche die Auferstehung Jesu - heuer ausnahmsweise am selben Tag. Dafür gibt es einen Gebetsplan aus dem 19. Jahrhundert.

Bei der orthodoxen Zeremonie des "Heiligen Feuers" wird das wundersam entzündete Licht in der Grabeskirche weitergegeben.
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Bei der orthodoxen Zeremonie des "Heiligen Feuers" wird das wundersam entzündete Licht in der Grabeskirche weitergegeben.
Bei der orthodoxen Zeremonie des "Heiligen Feuers" wird das wundersam entzündete Licht in der Grabeskirche weitergegeben. – APA/AFP/MENAHEM KAHANA

Unter großem Polizeiaufgebot haben in Jerusalem die Osterfeiern begonnen. Zur Feier der Ostervigil in der Grabeskirche versammelten sich am frühen Samstagmorgen zahlreiche katholische Christen, wie Kathpress berichtete.

Der Auferstehungsfeier vor der frisch restaurierten Kapelle, die nach frühester christlicher Überlieferung als Ort der Auferstehung Jesu gilt, stand erstmals Erzbischof Pierbattista Pizzaballa vor, der im Herbst als Patriarchatsverwalter die Nachfolge des emeritierten Patriarchen Erzbischof Fouad Twal angetreten hatte.

Die "Nacht der Nächte" werde in Jerusalem bereits in den frühen Morgenstunden des Karsamstags gefeiert, wodurch Jerusalem der "Moment der Stille und des Wartens" verloren gehe, die den Karsamstag weltweit präge, sagte Pizzaballa. Die Liturgien würden "vorbuchstabiert durch Zeiten und uralte und komplizierte Prozesse, die unser Rennen einpassen müssen in die anderer christlicher Kirchen, die dieselben Ereignisse an denselben Orten feiern und auch der nichtchristlichen Gemeinschaften in Jerusalem", so der Leiter des Lateinischen Patriarchats. Gleichzeitig könne die Welt "wie vor 2.000 Jahren" kein Ostern feiern, wenn dieses nicht zuerst in Jerusalem geschehe.

Gebetsplan aus dem 19. Jahrhundert

Aufgrund des "Status Quo", eines Regelwerks aus dem 19. Jahrhundert, das den Gebetsplan der an der Grabeskirche beteiligten sechs Konfessionen festhält, feiern Jerusalems Katholiken jedes Jahr die erste Ostermesse auf dem Erdkreis.

Im Anschluss an die katholische Osternachtsfeier drängten Hunderte orthodoxe Christen zur Zeremonie des "Heiligen Feuers" in die Grabeskirche. Die mehr als 1.200 Jahre alte Feier am Samstag zu Mittag gilt als Höhepunkt der alljährlichen orthodoxen Osterfeiern in Jerusalem. Während der Feier entzündet sich nach orthodoxem Volksglauben auf wundersame Weise eine Flamme an der als Grab Christi verehrten Kapelle. Das Feuer wird anschließend an die Gläubigen in der überfüllten Kirche und in den Altstadtgassen weitergereicht.

Wegen der beengten Verhältnisse in der Grabeskirche und fehlender Notausgänge wird der Zugang zu der Feier streng auf 10.000 Pilger reglementiert. Bereits in der Nacht auf Samstag errichteten israelische Sicherheitskräfte rund um die Grabeskirche sowie an den Zugängen zur Altstadt zahlreiche Sperren.

160.000 Pilger an einem Wochenende

Die Polizei hatte die erwartete Besucherzahl im Vorfeld mit 50.000 angegeben. Das israelische Tourismusministerium rechnet für die Pessach- und Osterfeiertage mit knapp 160.000 Besuchern in Jerusalem.

Trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen war es am Freitag außerhalb der Altstadt zu einem Messerangriff eines Palästinensers gekommen, bei dem eine britische Studentin getötet und zwei weitere Personen leicht verletzt wurden.

Zu den zentralen Feiern des Leidens und der Auferstehung Jesu, die in diesem Jahr trotz unterschiedlicher Kalenderberechnungen von den Ost- und Westkirchen am selben Datum begangen werden, strömten seit Donnerstag Tausende Pilger in die Jerusalemer Altstadt. Auch das einwöchige jüdische Pessach-Fest, das an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten erinnert, fällt heuer in die Karwoche und endet mit Einbruch der Dunkelheit am kommenden Montag.

(APA)

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