Neuer Bischof: Rom überrascht Tirol mit Steirer Hermann Glettler

Papst Franziskus setzt sich über alle vom Nuntius genannten Kandidaten hinweg. Er ernennt den als „Künstlerpfarrer“ bekannt gewordenen Hermann Glettler für Innsbruck.

Kunstaffin: Papst Franziskus macht den 52-jährigen Hermann Glettler zum Bischof.
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Kunstaffin: Papst Franziskus macht den 52-jährigen Hermann Glettler zum Bischof.
Kunstaffin: Papst Franziskus macht den 52-jährigen Hermann Glettler zum Bischof. – (c) APA/SONNTAGSBLATT/VELCHEV

Innsbruck/Wien. „Die typischen katholischen Kirchgeher sind unbrauchbar für die Mission.“ Wer so spricht, noch dazu vor engagierten katholischen Pfarrmitarbeitern, muss ziemlich mutig und gleichzeitig ziemlich überzeugt von seiner Sache sein. Hermann Glettler hat mit der zitierten Aussage erst vor wenigen Tagen in einem Impulsreferat vor Pfarrgemeinderäten der Erzdiözese Wien wohl bei manchen seiner Zuhörer für Staunen bis Entsetzen gesorgt.

Entsetzen gibt es seit Freitag auch bei Katholiken in Tirol. Denn da sickerte über die „Tiroler Tageszeitung“ durch, dass genau jener Glettler der neue, der fünfte Bischof für die junge (und relativ kleine) Diözese Innsbruck wird. Wie es der Zufall so will, hat sich Glettler eben dieser Tage gerade zu Gesprächen in Rom aufgehalten.

Entsetzen herrscht wohl weniger wegen der innerkirchlichen Verortung des Neuen, der – nicht ganz unpassend zu Innsbruck – kirchenpolitisch als prononciert reformorientiert gilt. Wenn es Entsetzen im selbstbewussten Tirol gibt, dann, weil Papst Franziskus ausgerechnet jemanden aus einem anderen Bundesland schickt. Wo doch – wie viele Monate ist es genau her? – der zuletzt gesundheitlich angeschlagene Nuntius Peter Stephan Zurbriggen eine Liste mit ausschließlich Tiroler Kandidaten an die vatikanische Bischofskongregation übermittelt hat.

 

Beim zweiten Versuch Bischof

Ein Steirer, der sich über die Landesgrenzen hinaus (offenbar bis Rom) als „Künstlerpfarrer“ einen Namen gemacht hat, soll also Bischof der Diözese Innsbruck werden. Der 52-Jährige war vor fast genau zwei Jahren schon einmal als Bischof im Gespräch, für die Nachfolge Egon Kapellaris in seiner Heimatdiözese Graz. Damals befand er sich mit dem Chef des römischen Priesterkollegs Anima, Franz Xaver Brandmayr, auf der Dreierliste – und mit einem gewissen Wilhelm Krautwaschl. Letztgenannter wurde ja dann schließlich Bischof in Graz. Die Entscheidung für die Innsbrucker Personalcausa hat nun schlanke 20 Monate gedauert. Das Rätsel, wer da wen blockiert hat, wird nie ganz gelöst werden können. Sicher dürfte aber jedenfalls eines sein: Nuntius Zurbriggen und den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Marc Ouellet aus Kanada, der vor dem Konklave des Jahres 2013 als papabile galt, verbindet alles andere als eine Männerfreundschaft.

Glettler gilt als beliebter, weltoffener Priester. Er gehört der Gemeinschaft Emmanuel an, eine Erneuerungsbewegung, die auch das besondere Wohlwollen Kardinal Christoph Schönborns genießt.

 

Schönborns Mann

Der Wiener Erzbischof war es auch, der sich, wie aus gut informierter Quelle zu hören ist, in Rom schon für Glettler als Grazer Bischof starkgemacht haben soll. Nun kann er ihn wahrscheinlich bei der nächsten Vollversammlung der Bischöfe im Spätherbst begrüßen.

Denn die Zustimmung der Bundesregierung, die laut Konkordat zu erfolgen hat, ist reine Formsache. Laut Stand Freitag wird bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober kein Ministerrat mehr stattfinden. Eine positive Entscheidung kann dennoch zustande gebracht werden, per Rundlaufbeschluss. Derzeit ist Glettler noch Bischofsvikar für Caritas und Evangelisation in der Grazer Diözese. Krautwaschl hat seinen früheren „Konkurrenten“ um das Bischofsamt bald nach der Weihe in die Leitungsfunktion befördert, was ihm als kluger Schachzug angerechnet wurde. Nebenbei leitet Glettler als Provisor die Pfarre Graz Christus der Salvator. Er wird sich von seinen Schäfchen bald verabschieden müssen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2017)

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