Verheiratet zur Priesterweihe?

Der zuständige Kurienkardinal Stella will eine Diskussion über ein Ende des Verbots – aber nur für Gegenden wie das Amazonasgebiet.

(c) Clemens Fabry

Rom. Beniamino Stella ist Kardinal der vatikanischen Kurie. Nicht irgendein Kardinal, sondern seit mehr als vier Jahren Präfekt (Leiter) der Kleruskongregation (Ministerium für Priester, Diakone und die Pfarrseelsorge). Daher ist es besonders interessant, wenn gerade er als dafür Zuständiger eine Diskussion über die Zulassung verheirateter Männer zur Priesterweihe anregt.

In den theologischen Debatten der vergangenen Jahrzehnte wird diese Personengruppe Viri probati (bewährte Männer) genannt. In einem soeben auf Italienisch erschienenen Interviewbuch des Vatikanjournalisten Fabio Marchese Ragona wird Stella so zitiert: Es sei sinnvoll, über die Priesterweihe für ältere verheiratete Männer nachzudenken. Dies sei eine Möglichkeit, die „aufmerksam zu bewerten ist, durchaus offen und ohne Engstirnigkeit“. Angesichts der rückläufigen Zahl der Berufungen und eines „sakramentalen Notstands“ in manchen Weltgegenden müsse „zumindest für einige sehr isolierte Gemeinschaften die Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, die Evangelisierung und die Feier der Sakramente Viri probati anzuvertrauen“, so der Kurienkardinal.

Das Thema sei wiederkehrend, laufe aber Gefahr, ideologisch instrumentalisiert zu werden. Es gehe darum, „die verschiedenen Möglichkeiten sorgfältig und ohne Scheuklappen und ohne Rigidität zu bewerten“, so der Kardinal, den Franziskus in die Leitungsfunktion befördert hat. Die Debatte über das Thema habe erst begonnen.

 

Vorstoß für Teilzeitkleriker

Zugleich betont Stella, dass eine grundsätzliche Abschaffung des verpflichtenden Zölibats nicht zur Disposition stehe. Stella bringt außerdem den Vorschlag von Teilzeitpriestern ins Gespräch. Für eine Priesterweihe könnten „alte Männer“ in Betracht kommen, die mit Familie zusammenlebten und ihrem Beruf nachgingen. Diese könnten nach einer Ausbildung der Eucharistiefeier vorstehen und die Versorgung mit weiteren Sakramenten gewährleisten. Papst Franziskus hat im Frühjahr 2017 ein Nachdenken über die Weihe von Viri probati vorgeschlagen. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2018)

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