Gebetsraum: Eine Moschee für Studenten

Nahe der Uni Wien entsteht mit Segen der Glaubensgemeinschaft eine "Universitätsmoschee", eine Zusammenarbeit mit der Universität gibt es nicht.

Muslimische Studenten der Uni Wien sollen bald in einer eigenen Moschee beten können.
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Muslimische Studenten der Uni Wien sollen bald in einer eigenen Moschee beten können.
Muslimische Studenten der Uni Wien sollen bald in einer eigenen Moschee beten können. – (c) Clemens Fabry

Wien. Es klingt offiziös – dass Wien nun also eine Universitätsmoschee bekommt. In der Nähe der Uni Wien, nahe dem Café Stein im 9. Bezirk, wird gerade in einem Kellerlokal daran gearbeitet. In drei bis vier Wochen, so schätzt eine Sprecherin des Vereins dahinter, soll sie eröffnen. Erst dann will man auch die genaue Adresse des Gebetsraums bekannt geben. Lüftung, Estrich und Fußbodenheizung seien bereits fertig, zuletzt wurden auch die Fliesen geliefert. Auf der Facebookseite des Vereins sind bis jetzt nur Baustellenbilder zu sehen, doch schon in einigen Tagen sollen hier an die 100 Muslime ihr Gebet verrichten können – in einem großen Saal, der für Männer und Frauen gedacht ist, es soll daneben aber auch einen eigenen Bereich nur für Frauen geben.

„Wir als junge Menschen haben uns gedacht, dass es schön wäre, einen Gebetsraum zu haben“, sagt eine Sprecherin des Vereins, der aus etwa 30 muslimisch-österreichischen Studenten besteht. Da es an der Uni Wien – und auch in der Nähe – schwierig sei, das Gebet zu verrichten, habe man sich selbst auf die Suche nach einem passenden Ort gemacht. Wichtig ist den Initiatoren, dass man nicht nur für eine bestimmte Community da ist, sondern möglichst viele Menschen ansprechen will. „Das ist auch der Grund, warum alles auf Deutsch stattfindet – auch alle Predigten.“ Würde man etwa nur auf Arabisch, Bosnisch oder Türkisch predigen, würde man nicht alle erreichen.

 

Team aus mehreren Imamen

Wichtig sei auch, dass man ein eigener Verein sei, der komplett unabhängig von anderen Vereinen agiere. „Ideologiefrei und unpolitisch“ wolle man sein, so die Sprecherin. Auch einen fixen Imam soll es nicht geben – man habe aber ein Team aus unterschiedlichen Imamen, die alle einen theologischen Abschluss haben. Und auch Ibrahim Olgun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), soll hier gelegentlich Freitagspredigten halten. „Das wird nicht jede Woche sein, aber ab und zu, wenn ich Zeit habe“, sagt Olgun im Gespräch mit der „Presse“.

Man unterstütze jedenfalls die Initiative der jungen Leute, „die Mitglieder unserer Glaubensgemeinschaft sind“. Das Projekt sei der IGGiÖ vorgestellt worden – und das Team agiere als Fachverein der Glaubensgemeinschaft. Als solches unterliege es auch den Regeln, die die IGGiÖ für ihre Moscheevereine aufstellt. „Sie sind verpflichtet, die Glaubenslehre unserer Glaubensgemeinschaft einzuhalten“, so Olgun, „und ich habe keinen Zweifel, dass das passieren wird.“

Finanziert wurde das Projekt durch Spenden. Seit vergangenem Sommer wird mit verschiedenen Aktivitäten Geld gesammelt, über die Website uni-moschee.at sind auch nach wie vor Spenden möglich. Das Team entschied sich schließlich dafür, das Projekt „Universitätsmoschee Iqraa“ zu nennen – Iqraa steht im Arabischen für Lesen. Das hat den Hintergrund, dass hier nicht nur ein Gebetsraum entsteht, sondern dass auch Seminare und Workshops zu verschiedenen Themen abgehalten werden sollen.

Eine Zusammenarbeit mit der Universität Wien gibt es allerdings nicht. Das habe sich, so die Sprecherin des Vereins, nicht ergeben. An der Uni selbst sieht man das Projekt aber entspannt: „Wir haben grundsätzlich nichts dagegen, wenn es private Angebote für Studenten in Uninähe gibt“, sagt Sprecherin Cornelia Blum zur „Presse“. Dass der Name „Universitätsmoschee“ eine Nähe zur Uni suggeriert, sei auch kein Problem: „Das ist ein Überbegriff. Wir sind die ,Universität Wien‘.“ Abgesehen davon entsteht der Gebetsraum auch nicht auf Universitätsgelände. Wäre dem so, hätte man nämlich durchaus ein Problem damit: „Es gibt ganz bewusst kein Angebot für Gebetsräume an der Uni“, so Blum, „auch, um unsere Äquidistanz zu zeigen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2018)

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