Dompfarrer Faber: „Sind keine Perverslinge“

Anton Faber gegen Verschweigen von Missbrauch.

(c) APA (JULIA SCHNIZLEIN)

WIEN. „Wir sind keine Perverslinge!“ Der Wiener Dompfarrer Anton Faber spricht die Causa prima an. Durch das Bekanntwerden vieler Missbrauchsfälle sei die katholische Kirche in ein schiefes Licht gerückt. Auch versteht Faber den Unmut darüber, dass Kirchen-intern eher zögerlich reagiert wird anstatt sich „offensiv an der Aufklärung aller Fälle“ zu engagieren.

„Die Atmosphäre des Verschweigens muss aufhören“, fordert er und fügt hinzu, dass jede strafbare Handlung, die nachgewiesen werden kann, auch zwingend der Justiz übergeben werden muss. Aber nicht nur die Opfer seien die Leidtragenden, er sieht auch jeden Kirchenvertreter betroffen. Kollektive Verdächtigungen machten die Runde, die Vertrauensbasis drohe verloren zu gehen. Die Belastung für Pfarrer sei enorm gestiegen, hört Faber aus Gesprächen heraus. Misstrauen, Zorn und Enttäuschung seien die Tagesthemen, der Glaube an Gott gerate angesichts der Verbrechen ins Hintertreffen. „Was denken Kinder oder Eltern, wenn sie heute zur Beichte gehen?“, fragt sich Faber. „Was denkt ein kurz vor der Weihe stehender Kandidat?“ Kirchenaustritte würden Opfern nicht helfen, sagt Faber.

 

Sexualität in Ausbildung

Dass Jahrzehnte vergehen, ehe Betroffene über Missbrauch berichten können, führt Faber auf eine „gestörte Sprachfähigkeit“ zurück. Daran habe ausschließlich der Täter Schuld, und hier müsse man die Kirche in die Pflicht nehmen. Nur den eigenen Ruf retten zu wollen, genüge nicht.

Dass Missbrauch, in welcher Form auch immer, eine Folge des Zölibats ist, glaubt Faber nicht. Wissenschaftliche Studien würden seine Ansicht belegen. Auch von einer Abschaffung hält er nichts, Sein Rat: „Das Thema Sexualität muss bei der Priesterausbildung sensibler behandelt werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2010)

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