Zölibat: Bischof Schwarz „erpressbar“

Kärntens Kirchenspitze erhebt ernste Vorwürfe gegen den Ex-Chef. Die Beziehung zu einer Frau habe der Kirche Schaden zugefügt. Sogar Regressforderungen werden angekündigt.

Kärntner Spitzenkleriker (am Pult Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger) am Dienstag bei der Erklärung über ihren früheren Bischof Alois Schwarz.
Kärntner Spitzenkleriker (am Pult Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger) am Dienstag bei der Erklärung über ihren früheren Bischof Alois Schwarz.
Kärntner Spitzenkleriker (am Pult Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger) am Dienstag bei der Erklärung über ihren früheren Bischof Alois Schwarz. – (c) APA/OSKAR HOEHER

Wien/Klagenfurt. Der Fall Alois Schwarz verliert knapp vor Weihnachten nicht an Brisanz. Im Gegenteil, am Dienstag wurde eine neue Stufe der Eskalation erreicht. „Aufgrund seiner Lebensführung war der Bischof in seiner Amtsführung immer mehr beeinträchtigt, weil er für Priester im Zusammenhang mit der Zölibatsverpflichtung erpressbar war.“

Dieses Urteil fällt das achtköpfige Domkapitel von Gurk-Klagenfurt über den vor einem halben Jahr nach St. Pölten versetzten Bischof. Ein kurzfristig angekündigtes Pressestatement wurde am Vormittag im Bischofshaus Klagenfurt von Domprobst Engelbert Guggenberger vorgetragen. Er ist derzeit Administrator, bis der Vatikan einen neuen Bischof schickt.

Begründet wird der Schritt mit „Sorge, Wut und Empörung“ in Kärnten. Vor einer Woche hatte der Vatikan eine Pressekonferenz verboten, bei der ein Prüfbericht über das Wirken von Schwarz im bischöflichen Mensalgut (das reichste des Landes) veröffentlicht hätte werden sollen. „Nicht wenige sehen darin einen Rückfall in überwunden geglaubte Verhaltensmuster aus der Zeit der Affäre rund um Kardinal Groër (der mittlerweile verstorbene Kardinal schwieg zu Vorwürfen sexueller Übergriffe auf Zöglinge; Anm. d. Red.)“.

Es habe während der 17-jährigen Amtszeit von Bischof Schwarz innerkirchliche und außerkirchliche Kritik an dessen Amts- und Lebensführung gegeben, an fragwürdigen Personalentscheidungen, undurchsichtigen Vorgängen sowie seinem Kommunikations- und Führungsstil. Zum Lebensstil wird die Nähe von Bischof Schwarz zu seiner langjährigen Vertrauten und engen Mitarbeiterin angeführt. Angesichts der Not der Gläubigen und Priester sehen sich, heißt es weiter, die Domkapitulare ihrem Gewissen verpflichtet, den Prüfbericht – trotz vatikanischem Verbot – zu veröffentlichen. Und: „Betreffend des materiellen Schadens darf ich Sie heute darüber informieren, dass an Bischof Schwarz Regressforderungen gestellt werden.“ Auch das ist einmalig in der Kirchengeschichte Österreichs. Die Kritik des Prüfberichts im Detail:

Schulden: 2016 hat das Bistum Gurk (nicht die Diözese, sondern das Mensalgut, auf das nur der Bischof Zugriff hat) einen Betriebsverlust in Höhe von 0,7 Millionen Euro, im Vorjahr von 1,9 Millionen erwirtschaftet. Besonders im Hotel- und Bildungsbereich haben sich die Verluste verdoppelt – unter der Führung der engen Vertrauten von Bischof Schwarz. Mit ein Grund sind um 60 Prozent gestiegene Personalkosten („maßgeblich überhöht“) in zwei Jahren.

Keine Kontrolle: In den vergangenen vier Jahren gab es keine Wirtschaftsprüfung, obwohl dies laut Staut und Geschäftsordnung verlangt gewesen wäre. Bischof Schwarz habe das Statut in einer Weise geändert, die nicht dem Kirchenrecht entsprach. Grenzen für die Befassung im Fachbeirat bei Krediten wurden von 100.000 auf eine Million Euro verzehnfacht.

Inkompetente Führung. Die Bildungsleiterin habe „inkompetent, willkürlich und oft auf den Bischof verweisend (,der Herr Bischof wünscht das')“ agiert. Das Arbeitsklima sei verheerend, geprägt von Angst, Intrige und Mobbing gewesen. Die Leiterin habe das Bistum „als Bühne für persönlichen Interessen missbraucht und dem Ansehen des Bischofsamtes und der Kirche Schaden zugefügt“. (d. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2018)

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