Missbrauch: 566 Meldungen, Hälfte verjährt

Die Ombudsstellen der Kirche für Missbrauchsopfer werden seit Jahresbeginn regelrecht überrannt. Viele Fälle sind aber noch nicht geklärt. Die Diözesen kündigen eine monatliche Statistik an.

Missbrauch Meldungen Ombudsstellen seit
Missbrauch Meldungen Ombudsstellen seit
Symbolbild – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Ombudsstellen der Diözesen für Opfer sexuellen Missbrauchs werden seit Jahresbeginn regelrecht überrannt: 566 Meldungen sind seit Anfang Jänner eingegangen. Sexuellen Missbrauch betreffen nach aktuellem Erkenntnisstand vorerst nur 27 Prozent der Meldungen. Bei 26 Prozent der Fälle handelt es sich um Gewalt, knapp die Hälfte bedarf noch weiterer Aufklärung. "Oft erhalten wir nur die Meldung: 'Ich wurde missbraucht. Bitte um Rückruf'", berichtet der Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, Johannes Wancata.

In vielen Fällen bedürfe es auch mehrerer Gespräche, um alles abzuklären und die entsprechenden Konsequenzen einzuleiten. Geklärt muss vor allem noch werden, wie viele gemeldete Fälle noch nicht verjährt sind. Lediglich ein Prozent hat sich laut offizieller Statistik nach 1993 zugetragen und wäre noch strafrechtlich belangbar. Bei 46 Prozent der Kontaktaufnahmen sind die diözesanen Ombudsstellen noch im Unklaren. Die restlichen Vorwürfe betreffen Fälle, die bereits verjährt sind.

Die Ombudsstellen werden einen monatlichen gemeinsamen Bericht über den Stand der Meldungen veröffentlichen, sagte Wancata. Die bekannt gewordene Zahl von 566 Meldungen zeige auch, dass die Einrichtungen "Vertrauen genießen und das Angebot angenommen wird".

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Zusammenarbeit mit Klasnic

Zu Waltraud Klasnic, die im Auftrag von Kardinal Christoph Schönborn eine "unabhängige" Kommission zu den Missbrauchsfällen zusammenstellen soll, hatte Wancata laut eigenen Aussagen noch keinen Kontakt, zumal diese erst Ende April ihre Arbeit aufnehmen soll. "Ich gehe aber davon aus, dass wir Kontakt herstellen werden", so der Ombudsstellen-Leiter. Bei der von Schönborn angekündigten Bereitstellung von Informationen zeigt sich Wancata kooperativ, was die allgemeinen Zahlen betrifft. Bei den einzelnen Fällen müsse man allerdings abklären, ob die Opfer dies auch wollten.

(APA/Red.)

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