Tiroler Geistlicher in Vatikan-Glaubenskongregation zurückgetreten

Vorwürfe der sexuellen Belästigung einer früheren Ordensfrau der katholischen Gemeinschaft "Das Werk" aus dem Jahr 2009 stehen im Raum. Der Beschuldigte will sich rechtlich wehren.

Kloster Thalbach in Bregenz, eines der Zentren von "Das Werk".
Kloster Thalbach in Bregenz, eines der Zentren von "Das Werk".
Kloster Thalbach in Bregenz, eines der Zentren von "Das Werk". – Friedrich Böhringer/CC BY-SA 3.0 at

Der Tiroler Pater Hermann Geißler, Abteilungsleiter in der vatikanischen Glaubenskongregation, ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung einer Ex-Ordensschwester zurückgetreten. Der 53-Jährige habe dem Präfekten der Kongregation, Luis Francisco Ladaria Ferrer, sein Rücktrittsgesuch übergeben und es sei angenommen worden, teilte die Kongregation am Dienstag in einer Presseaussendung mit.

Geißler betonte in seinem Schreiben, er sei unschuldig, er trete jedoch zurück, um der Kongregation nicht zu schaden. Der Geistliche bat um die Fortsetzung des kirchlichen Verfahrens, das bereits gegen ihn laufe. Er schließe rechtliche Schritte zum Schutz seines Rufes nicht aus, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

Die Glaubenskongregation ist innerhalb des Vatikans diejenige Stelle, die Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche behandelt. Geißler war allerdings nicht in der dafür zuständigen Abteilung tätig

Katholische Gemeinschaft "Das Werk"

Die Vorwürfe gegen Geißler wurden von einer ehemaligen Angehörigen der katholischen Gemeinschaft "Das Werk" erhoben und wurzeln ziemlich weit in der Vergangenheit. Sie sei anno 2009 während der Beichte belästigt worden, behauptete die Frau. Geißler, der derselben Gemeinschaft angehört, weist die Beschuldigungen als unwahr zurück.

Mit dem Fall befassten sich auch Justizbehörden in Österreich und Deutschland, die jedoch die Vorwürfe als unbegründet bezeichneten.

In ihrem Buch "Nicht mehr ich. Die wahre Geschichte einer jungen Ordensfrau" hatte die frühere Ordensschwester Doris Wagner 2014 über Missbrauchserfahrungen in der Gemeinschaft "Das Werk" berichtet, die ihre Niederlassungen unter anderen in Italien, Belgien, Ungarn, Deutschland, Frankreich, England und Vorarlberg (Kloster Thalbach in Bregenz) hat. Diese betrafen nicht allein Geißler, sondern vor allem andere Ordensmitglieder. Namen hatte Wagner indes auch bei Vorträgen seit Jahren bisher nicht genannt; aufgrund der Angaben zu seiner Funktion war aber stets im Grunde klar, wen sie meinte.

Seelsorger in Feldkirch

Geißler, der aus Tirol stammt, war 1991 zum Priester geweiht worden und seit 1993 an der Glaubenskongregation tätig. 2009 wurde er zum Büroleiter der Abteilung für Lehrfragen ernannt. Vor seiner Berufung an die Glaubenskongregation hatte Geißler an der Hochschule Heiligenkreuz (NÖ) und an der römischen Lateran-Universität studiert. Danach war er drei Jahre lang als Seelsorger in der Diözese Feldkirch tätig.

Die geistliche Gemeinschaft bzw. Familie „Das Werk" (Familia spiritualis opus, FSO) ist eine päpstlich anerkannte Gruppierung aus Laien und Geistlichen in der katholischen Kirche. Sie war 1938 von der Belgierin Julia Verhaeghe (1910 bis 1997) gegründet worden. Die Mitglieder widmen sich einfach gesagt einem gottesfürchtigen Leben und schließen ein „heiliges Bündnis" mit dem Herzen Jesu, das regelmäßig erneuert wird. Berichte über "sektenähnliche Vorgänge" kamen wiederholt auf.

(APA)

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