Pläne für Wiener "Campus der Religionen" werden konkreter

Die Begegnungsstätte könnte bis 2022 in der Seestadt Aspern entstehen. Die Stadt Wien spendet das Grundstück. Ein gemeinsames Bauwerk wird es dort nicht geben.

Bürgermeister Michael Ludwig (5.v.l./SPÖ) mit Religionsvertretern
Bürgermeister Michael Ludwig (5.v.l./SPÖ) mit Religionsvertretern
Bürgermeister Michael Ludwig (5.v.l./SPÖ) mit Religionsvertretern – APA/HANS KLAUS TECHT

Der Weg zu Gott soll bald auch über das Wiener Stadtentwicklungsgebiet Seestadt Aspern führen. Denn die Pläne für den dort projektierten "Campus der Religionen" werden konkreter. Zahlreiche Religionsgemeinschaften sollen sich auf dem insgesamt 10.000 Quadratmeter umfassenden Areal präsentieren. Die Stadt spendet dafür das Grundstück, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag berichtete.

2015 wurde die Fläche, auf der das Projekt umgesetzt werden soll, geweiht. Nun wurden im Rathaus bei einem Treffen mit den Vertretern der römisch-katholischen Kirche, der evangelischen Kirche, der griechisch-orientalischen Kirche, der israelitischen Religionsgemeinschaft, der islamischen Glaubensgemeinschaft, der buddhistischen Religionsgemeinschaft, der neuapostolischen Kirche und der Sikh Religionsgemeinschaft die nächsten Schritte besprochen, hieß es.

Kein gemeinsames Bauwerk

Der Campus ist als interreligiöse Bildungsstätte ausgelegt - allerdings wird es kein gemeinsames Bauwerk geben. Vielmehr habe man sich darauf verständigt, dass jeder sein Objekt selbst gestalten könne, erklärte Ludwig. Wobei er eine architektonische "Landmark" für die Seestadt in Aussicht stellte.

Diese Campusteile sollen der seelsorgerischen Arbeit in der Seestadt oder auch als Anlaufstelle für Mitglieder der jeweiligen Religionsgemeinschaft bzw. interessierte Gäste dienen. Der Spatenstich könnte laut Stadt 2020 erfolgen.

Die Kosten für die einzelnen Gebäude sind von den Religionsgemeinschaften zu tragen. Allerdings stellte Ludwig eine groß angelegte Sammelaktion - die vor allem kleineren Gemeinschaften zugutekommen soll - in den Raum. Rechtlich wird das Projekt über einen nun ins Leben gerufenen Verein abgewickelt. Auch die Gründung einer GmbH ist angedacht.

Kirchliche Pädagogische Hochschule soll übersiedeln

Ein Wunsch von Kardinal Schönborn soll ebenfalls Wirklichkeit werden: Geplant ist die Übersiedlung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) vom Campus Strebersdorf in Floridsdorf in die Seestadt. Der Hochschulbau wäre dann auch der optimale Ort für die interreligiöse Begegnung, wurde betont.

Bürgermeister Ludwig betonte, dass der Campus zeigen solle, dass in Wien die Religionen nicht nur nebeneinander, sondern auch miteinander leben würden. Damit werde auch die Gefahr geringer, dass radikale Elemente Platz greifen würden.

"Es gibt Metropolen, wo sich Religionsgemeinschaften feindlich gegenüberstehen, auch in Europa", warnte Ludwig. Tatsächlich seien aber Attacken auf Einzelne Angriffe auf alle Religionen. Ludwig erinnerte daran, dass nach einem Vandalenakt am künftigen Baufeld - bei der eine Fahne der israelitischen Kultusgemeinde beschädigt wurde - die Vertreter aller beteiligten Religionen sofort gemeinsam aufgetreten seien und dagegen protestiert hätten.

Auch Kardinal Schönborn lobte in der gemeinsamen Pressekonferenz das geplante Projekt und das gute Miteinander der Glaubensrichtungen: "Es geht nicht um eine Festung der Religionen, sondern um einen Campus, ein offenes Feld." Dieses steht übrigens auch noch jenen Religionsgemeinschaften offen, die sich bisher nicht zu einer Teilnahme entschließen konnten, wurde betont.

(APA)

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