Bischöfe unter Druck: Bis zu 80.000 Kirchenaustritte

Als Reaktion auf die Missbrauchsfälle wollen die Bischöfe bei der heute beginnenden Vollversammlung schärfere Regeln für Priester beschließen. Die Kirchenbeitragsstellen befürchten einen neuen Rekord bei Austritten.

Bischofskonferenz beraet Missbrauchsfaelle
Bischofskonferenz beraet Missbrauchsfaelle
Symbolbild – (c) AP

Die österreichischen Bischöfe haben sich am Montag zu ihrer Sommertagung in Mariazell versammelt. Die Vollversammlung wird dominiert von den Missbrauchsfällen, die in den vergangenen Monaten bekannt geworden sind, und der darauf folgenden Austrittswelle: Es sei nicht unrealistisch, dass bis zu 80.000 Menschen die katholische Kirche in diesem Jahr verlassen, sagte der Leiter der Kirchenbeitragsstelle der Erzdiözese Wien, Josef Weiss, am Montag im Ö1-"Morgenjournal". Genaue Zahlen will Kardinal Christoph Schönborn in einer Pressekonferenz am Mittwoch bekanntgeben.

Nicht nur deshalb wollen die Bischöfe schärfere Regeln für die Priesterausbildung beschließen, ebenso eine Anzeigepflicht für Kirchenmitarbeiter. Dementsprechende Empfehlungen werden von der dafür eingesetzten Kommission erwartet. Auch die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferanwältin Waltraud Klasnic wird am Montag Bericht erstatten.

Die Bischofskonferenz hatte bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im März eine Projektgruppe eingesetzt, um die in den Diözesen bereits existierenden Regeln zum Umgang mit Missbrauch österreichweit zu vereinheitlichen. Mit der Leitung wurde der Wiener Generalvikar Franz Schuster betraut. Nun liegt ein Konvolut an Vorschlägen vor, welche die Bischöfe in Mariazell erörtern und eventuell beschließen werden. Enthalten sein sollen etwa verpflichtende psychologische Tests für Priesterseminaristen sowie eine Anzeigepflicht für Kirchenmitarbeiter.

Slowenische Kollegen zu Gast

Zu Gast bei den österreichischen Bischöfen in Mariazell werden diesmal deren Amtskollegen aus Slowenien sein. Auch sie sollen in die Beratungen zu den Missbrauchsfällen miteinbezogen werden und die Situation im Nachbarland schildern. Mit dem slowenischen Episkopat sollen auch Fragen hinsichtlich des Schulwesens und des Religionsunterrichts, der Minderheiten, der fremdsprachigen Seelsorge sowie der Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit besprochen werden, kündigte der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Ägidius Zsifkovics, in der "Kathpress" an.

(APA)

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