Iran verurteilt Bahai-Anhänger zu langen Haftstrafen

Die sieben Mitgliedern der Religionsgemeinschaft sind wegen Spionage und Verbindungen zu Israel zu 20-jährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Bahai glauben aber, dass das Urteil mit der Religion zu tun hat.

Iran verurteilt BahaiAngehoerige langen
Iran verurteilt BahaiAngehoerige langen
Das Bahai-Zentrum in Haifa – (c) REUTERS (� Ammar Awad / Reuters)

Die iranische Justiz hat nach Angaben der Religionsgemeinschaft der Bahai sieben ihrer Mitglieder zu 20-jährigen Haftstrafen verurteilt. Die Behörden hätten die Anwälte der Verurteilten am Sonntag mündlich über die Strafe informiert, sagte eine Sprecherin der französischen Vertretung der Bahai in Paris. Die zwei Frauen und fünf Männer waren im Mai 2008 festgenommen worden und dieses Jahr wegen "Spionage für Ausländer" und angeblicher Kooperation mit Israel vor Gericht gestellt worden. Die Europäische Union (EU) und die USA hatten das Vorgehen scharf kritisiert und Teheran zur Beachtung der Religionsfreiheit aufgefordert.

Die österreichische Bahai-Gemeinde zeigte sich über das Urteil "schockiert". "Die sieben Bahai sind ausschließlich wegen ihrer Religion verurteilt und haben alle Anklagepunkte entschieden zurückgewiesen", betonte Ottilie Käfer, Pressesprecherin der Bahai-Religionsgemeinschaft in Österreich, in einer Aussendung vom Dienstag.

Unterdrückung der "Abtrünnigen"

Die Anwälte der Verurteilten wollten jetzt Berufung einlegen, auch um Zugang zu den schriftlichen Urteilen zu bekommen, sagte die Sprecherin der französischen Bahai-Vertretung. Die Bahai-Religion hat weltweit rund fünf Millionen Anhänger, davon rund 300.000 im Iran. Sie gelten dort als "Abtrünnige" des Islam und sind seit der islamischen Revolution 1979 in ihren staatsbürgerlichen Rechten beschränkt. Teheran betrachtet auch mit großem Misstrauen, dass die Bahai ihr Hauptquartier im israelischen Haifa unterhalten.

Die Bahai-Religion wurde im 19. Jahrhundert von den Persern Sayyid Ali Muhammad (1819-1850), genannt Bab ("das Tor"), und seinem Nachfolger Husayin Al Nuri, genannt Bahaullah (1817-1892), gegründet. Die monotheistische Religion ist im Iran nicht anerkannt und wird von orthodoxen Muslimen als "Abfall vom Islam" angesehen. Hauptstreitpunkt ist das Konzept der "fortschreitenden Offenbarung" in der Bahai-Religion, die den islamischen Propheten Mohammed nicht als letzten und definitiven Propheten anerkennt und außerdem von einer "mystischen Einheit" der Religionen ausgeht.

(Ag.)

Kommentar zu Artikel:

Iran verurteilt Bahai-Anhänger zu langen Haftstrafen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen